Die Nordsee. 131
Und huld'gcnd, auf rotem Sammetkissen,
tiberreiche ich dir
Das bißchen Verstand,
Das mir aus Mitleid noch gelassen hat
Deine Vorgängerin im Reich.
2.
Abenddämmerung.
Am blassen MeeresstrandeSaß ich gedankcnbekümmert und einsam.Die Sonne neigte sich tiefer, und warfGlührote Streifen auf das Wasser,
Und die weißen, weiten Wellen,
Von der Flut gedrängt,
Schäumten und rauschten näher und naher —Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,Ein Lachen und Murmeln, Seufzen lind Sausen,Dazwischen ein wiegenliedheimliches Singen —Mir war, als hört' ich Verschvllne Sagen,
Uralte, liebliche Märchen,
Die ich einst als KnabeVon Nachbarskindern vernahm,
Wenn wir am SommerabendAlls den Treppensteinen der HausthürZum stillen Erzählen niederkauertcnMit kleinen, horchenden HerzenUnd neugierklngen Augen;
Während die großen MädchenNeben duftenden BlumentöpfenGegenüber am Fenster saßen,
Roscngesichter,
Lächelnd und mondbcglänzt.
3.
Sonnenuntergang.
Die glühend rote Sonne steigtHinab ins weit anfschaucrnde,
Silbergraue Weltmeer;
Lnftgcbilde, rosig angehaucht,
Wallen ihr nach; und gegenüber,Aus herbstlich dämmernden Wolkcnschleiern,Ein traurig todblasses Antlitz,
Bricht hervor der Mond,
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