Druckschrift 
1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
64
Einzelbild herunterladen
 

64

Buch der Lieder.

39.

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,Die hat einen andern erwählt;Der andre liebt eine andre,

Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus ÄrgerDen ersten, besten Mann,

Der ihr in den Weg gelaufen;Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte,

Doch bleibt sie immer neu;

Und wein sie just passieret,Dem bricht das Herz entzwei.

40.

Hör" ich das Liedchen klingen,Das einst die Liebste sang,

So will mir die Brust zerspringenVor wildem Schmerzcndrang.

Es treibt mich ein dunkles SehnenHinauf zur Waldeshöh',

Dort löst sich ans in ThränenMein übergroßes Weh.

41.

Mir träumte von einem Königskind,Mit nassen, blassen Wangen;

Wir saßen unter der grünen Lind',Und hielten uns liebnmfangen.

„Ich will nicht deines VatcrS Thron,Und will nicht sein Zepter von Golde,

Ich will nicht seine demantene Krön',

Ich will dich selber, du Holde."

„„Das kann nicht sein,"" sprach sie zu mir,„„Ich liege ja im Grabe,

Und nur des Nachts komm ich zu dir,

Weil ich so lieb dich habe.""

42.

Mein Liebchen, wir saßen beisammenTranlich im leichten Kahn.

Die Nacht war still, nnd wir schwammenAuf weiter Wasserbahn.