B»ch der Lieber,
Auf meiner Herzliebsten WängcleinMach' ich die herrlichsten Stanzen,Und wenn meine Liebste ein Herzchen hält',Ich machte darauf ein hübsches Sonett.
15.
Die Welt ist dumm, die Welt ist blind,Wird täglich abgeschmackter!
Sie spricht von dir, mein schönes Kind:Du hast keinen guten Charakter.
Die Welt ist dumm, die Welt ist blind,Und dich wird sie immer verkennen;Sie weiß nicht, wie süß deine Küsse sind,Und wie sie beseligend brennen,
16.
Liebste, sollst mir heute sagen:
Bist du nicht ein Traumgebiid,
Wie's in schwülen SvmmertagenAns dein Hirn des Dichters quillt?
Aber nein, ein solches Mündchcn,Solcher Augen Zauberlicht,
Solch ein liebes, süßes Kindchen,Das erschafft der Dichter nicht.
Basilisken und Vampire,
Lindcnwürm' und Ungeheu'r,
Solche schlimme Fabeltiere,
Die erschafft des Dichters Fcu'r.
Aber dich und deine Tücke,
Und dein holdes Angesicht,
Und die falschen frommen Blicke —Das erschafft der Dichter nicht.
17.
Wie die Wellenschaumgcborcne,
Strahlt mein Lieb in Schönheitsglanz,Denn sie ist das auserkoreneBräntchen eines fremden Manns.
Herz, mein Herz, du vielgeduldiges,Grolle nicht ob dem Verrat;
Trag es, trag es, und entschuldig' es,Was die Holde Thörin that.