Junge Leiden.
„Und ich seufzte auch und girrte;
Uud weun Liebe mich verwirrte,
Steckt' ich meine Finger raschIn des reichen Nachbars Tasch'.
„Doch der Gassenvogt mir grollte,
Daß ich Sehnsuchtsthränen wollteTrocknen mit dem Taschentuch,
Das mein Nachbar bei sich trug.
„Und nach frommer HäschersitteNahm man still mich in die Mitte,
Und daS Zuchthaus, heilig groß,
Schloß mir auf den Mutterschafs.
„Schwelgend süß in Liebessiuuen,
Saß ich dort beim Wollespinnen,
Bis Ninaldos Schatten kamUnd die Seele mit sich nahm."
Da lachten die Geister im lustigen Chor;
Geschminkt und geputzt trat ein dritter hervor:
„Ich war ein König der Bretter,
Und spielte das Liebhaberfach,
Ich brüllte manch wildeS: ,Jhr Götter!'Und seufzte manch zärtliches: ,Ach!'
„Den Mortimer spielt' ich am besten,
Maria war immer so schön!
Doch trotz der natürlichsten Gesten,
Sie wollte mich nimmer verstehn. —
„Einst, als ich verzweifelnd am Ende:
Maria, du Heilige!' rief,
Da nahm ich den Dolch behendeUnd stach mich ein bißchen zu tief."
Da lachten die Geister im lustigen Chor;
Im weißen Flausch trat ein vierter hervor:
„Vom Katheder schwatzte herab der Professor,Er schwatzte, und ich schlief gut dabei ein;
Doch Hütt' mir's behngt mel tausendmal besserBei seinem holdseligen Töchtcrlein.
„Sie hat mir oft zärtlich am Fenster genicket,Die Blume der Blumen, mein Lebenslicht!
Doch die Blume der Blumen ward endlich gcpflückctVom dürren Philister, dem reichen Wicht.