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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
6
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6 Vorrede zur zweiten Auflage.

Naht diese winterliche Gestalt auch schon dem Verfasser dieserBlätter? Gewahrst du schon, teurer Leser, eine ähnliche Umwandlungan dem Schriftsteller, der immer jugendlich, fast allzu jugendlich, inder Litteratur sich bewegte? Es ist ein betrübender Anblick, wennein Schriftsteller vor unseren Augen, angesichts des ganzen Publikums,allmählich alt wird. Wir haben's gesehen, nicht bei Wvlfgang Goethe,dem ewigen Jüngling, aber bei August Wilhelm von Schlegel, dembejahrten Gecken; wir haben's gesehen, nicht bei Adalbert Chamisso,der mit jedem Jahre sich blütenreicher verjüngt, aber wir sahen esbei Herrn Ludwig Ticck, dem ehemaligen romantischen Strohmian,der jetzt ein alter räudiger Muntschc geworden . . . . O, ihr Götter,ich bitte euch nicht, mir die Jugend zu lassen, aber laßt mir dieTugenden der Jugend, den uneigennützigen Groll, die uneigennützigeThräne! Laßt mich nicht ein alter Polterer werden, der aus Neiddie jüngeren Geister ankläfft, oder ein matter Jammermensch, derüber die gute alte Zeit beständig flennt . . . Laßt mich ein Greiswerden, der die Jugend liebt und trotz der Alterschwäche noch immerteilnimmt an ihren Spielen und Gefahren! Mag immerhin meineStimme zittern und beben, wenn nur der Sinn meiner Worte un-erschrocken und frisch bleibt!

Sie lächelte gestern so sonderbar, halb mitleidig, halb boshaft,die schone Freundin, als sie mit ihren rosigen Fingern meine Lockenglättete . . . Nicht wahr, du hast auf meinem Haupte einige weißeHaare bemerkt?

Nnd scheint die Sonne noch so schön,

Am Ende muß sie untergehn!"

Geschrieben zu Paris, im Frühjahr 1837.

Heinrich Heine.