144 Biographie.
Am 28. Oktober 1843 langte er in Hamburg an nnd blieb dort biszum 6. Dezember desselben Jahres. Mathilde war inzwischen indemselben Pensionat untergebracht, in dem sie ihre erste Erziehunggenossen hatte, und Heine schrieb an sie dorthin die zärtlichsten undbesorgtesten Briefe.
Schon im Sommer des folgenden JahreS wiederholte Heineseinen Besuch in Hamburg. Diesmal brachte er Mathilde mit nndschrieb der Mutter vorher: „Ich komme mit Familie, d. h. mitmeiner Frau nnd Cvcvttc, dem Papagei." Mathilde zeigte wenigInteresse für ihre neuen Verwandten, nnd schon nach vierzehn Tagenschickte sie Heine, unter dem Vorwande, daß ihre Mutter erkrankt sei,nach Paris zurück.
Seine Reisen nach Deutschland hatten ivomöglich seine Abneigunggegen die tonangebende Richtung und seinen Haß gegen die politischenParteien gesteigert. Ein Produkt dieser Eindrücke ist das humo-ristische Reiseepvs „Deutschland". „Dem SommernachtStranm"stellte Heine ein „Wintermärchcn" gegenüber, das mit Recht als einJuwel unserer satirischen Litteratnr betrachtet werden darf. ES istunstreitig Heines witzigste Dichtung. „Mit dem unbczwcifelten Rechtedes Humors geißelte er die pedantischen Zustände Deutschlands, nichtohne jene Vorliebe für typische Persönlichkeiten, welche seinein Humorplastische Handhaben bieten könnten. Auch am CyniSmns des Wintcr-märchcns können sich nur diejenigen stoßen, denen Aristophanes, dierömischen Satiriker, Fischart und Rabelais, Smvllet nnd Vieldingunbekannt oder nicht gegenwärtig sind. Wie tief aber der Dichtervon der Berechtigung der Poesie selbst durchdrungen ist, das zeigendie feurigen Schlußparaphrasen seines Wintermärchcns, in denen erdem Mächtigen der Erde mit einer „größeren Macht nnd ihrenewigen Höllen" droht. Aus den „singenden Flammen" der Poesieersteht aber vor seinem Geistcsauge ein neues Geschlecht mit freienGedanken nnd freierLnst, dem er seine tiefsten Geheimnisse künden will....
Schon knospet die Jugend, welche verstehtDes Dichters Stolz und Güte,
Und sich an seinem Herzen wärmt,
An seinem Svnncngcmüte.
Mein Herz ist liebend wie das Licht,
Und rein und keusch wie das Feuer;
Die edelsten Grazien haben gestimmtDie Saiten meiner Leier.
XV.
ES ist recht betrübend, daß die zweite Periode in Heines Schaffenwie gesagt nur von so kurzer Daner war. Schon in den „Zeitgcdichten",