138 Biographie.
u»d in sieben Woche» wurde die Oper komponiert, die in Deutsch-land so großes Aussehen und den Namen des Musikers rasch bekanntmachte. Er hieß Richard Wagner. Fünfundzwanzig Jahre spätererklärte derselbe Musiker in einer kritischen Schrift: Heine sei nichtsweiter wie ein politischer „Bänkelsänger" gewesen . . .
Je mehr sich aber die Verbindung Heines mit der Heimat teilsdurch die vielen Miszhclligkeiten und Anfeindungen, teils durch denTod seiner besten Freunde lockerte, desto näher trat er den hervor-ragendsten französischen Schriftstellern, die damals fast sämtlich mitihm in intimen Verkehr traten. In den ersten Pariser Salons warder deutsche Dichter ein gern gesehener Gast. In den Salons derFrau Caroline Jaubert, die Heine 1835 kennen lernte und dieihm bis zum Tode innig befreundet blieb, und der durch ihre Schick-salc bekannten italienischen Fürstin Belgiojoso, deren klassischeSchönheit Heine verehrte, traf er mit den bedeutendsten Schriftstellern,Künstlern und Akademikern häufig zusammen, und Frau Janbert,die „kleine Gevatterin" Alfred de MussetS, weiß nicht genug von denNeckereien und Malicen zu erzählen, mit denen der boshafte Dichtereinmal Victor Cousin, ein andermal den armen Bcllini verfolgte.Aber auch von seinen Leiden, von seinem ewigen Kopsweh und denmannigfachen Liebesnötcn weiß Frau Jaubert in ihren Erinnerungenviel zu berichten. Denn mehr als alle Fürstinnen und Comtessen,Schriftsteller und Künstler fesselte ihn gerade in jener Zeit einmunteres Dorfkind aus der Nvrmandie, das bestimmt war, ent-scheidend in sein Schicksal einzugreifen.
Sie stammte aus dem Weiler Binot, im Gebiete der Seine undMarne, und war die natürliche Tochter eines sehr reichen und derbesten Gesellschaft angehörenden Mannes. In ihrem fünfzehntenoder sechzehnten Lebensjahre verließ Mathilde Crescentia Miratdas Dorf und ging nach Paris zu einer ihrer Tanten, BkadameMaurcl, die dort in einem Durchgang in der Nähe des Justizpalnsteseinen Laden mit Schuhwaren hatte, und die daS hübsche jungeMädchen als Verkäuferin verwendete. Dort lernte sie Heine etwaim Oktober 1834 dadurch kennen, daß er bei Madame MaurelsLaden oft vorüberging. Man sah sich durch das Schaufenster an,man gab sich Zeichen. Oft, wenn die Tante es nicht bemerkte, gingdas junge Mädchen vor die Thür. Bald entwickelte sich aus diesenkleinen Unterhaltungen ein regelrechtes Verhältnis. Es wurde be-schlossen, daß Mathilde den Laden von Madame Maurel verlassenund nach Chaillot zu Madame Parte in Pension gehen sollte, damitsie etwas Erziehung erhielte; denn sie konnte weder lesen noch schreiben.Trotzdem beschäftigte und belustigte sie Heine vollauf, denn sie besaßden großen Vorzug einer gleichmäßigen angenehmen Heiterkeit.
Damals schrieb Heine an seinen Freund August Lcwald: „Haben