Biographie.
oaß er es wie kein zweiter verstanden, den Franzosen das Wesenund die Bedeutung der deutschen Romantik in wahrhaft lichtvollerWeise klar zu machen.
Heines Buch hat aber nvch eine andere und viel weitere Be-deutung: es besitzt einen positiv litterarhistvrischen Wert und ist bisnun die geistvollste und klarste Darstellung der romantischen Schule,über die wir wohl ungleich gediegenere Monographien von Schmidtund Hettner, eine weitaus gründlichere von R. Haym, aber keineDarlegung der Gründe und Ziele jener eigenartigen Bewegunghaben, die in so genialer Weise das Wesen der romantischen Schuleblitzhcll erleuchtet.
Aber auch für diese Arbeit reicht der Instinkt oder die Intuitionkeineswegs aus. Es gehörten dazu eingehende Studien, die Heineschon auf der Universität begann und während seines späterenHamburger Lebens eifrig betrieb. Eine Reihe kleiner und ziemlichnebensächlicher Irrtümer vermag ihren Wert nicht zu verkleinernund muß auf Rechnung des Nmstandes geschrieben werden, daß derDichter während seiner Arbeit in Paris von den nötigsten littera-rischcn Hilfsmitteln entblößt war. Schon die Ausführungen im Be-ginne des Buches über die Kunst und Poesie des Mittelalters weisendeutlich ans den Einfluß jenör Studien hin, denen Heine in Bonnund Berlin mit allem Eifer obgelegen. Tief durchdacht und genialerfaßt war die Bedeutung Lessings für die neu-klassische Poesie undnur glauben es dein Dichter gern, wenn er nebenher bekannt, daßLessing in der ganzen Literaturgeschichte derjenige Schriftsteller sei,den er am meisten liebe. Lessing am nächsten stand ihm Herder.
Von besonderem Wert ist, trotz der einseitigen Auffassung, dieAuseinandersetzung Heines über die Verhältnisse, auS denen die ro-mantische Schule entsprang; dagegen ist das, was er über das Ver-hältnis Goethes zu den Romantikern sagt, falsch, tvie mannigfacheneuere Forschungen und Mitteilungen erwiesen haben. Überhauptvermochte er in dieser Schrift zufolge des demokratischen GrnndzngS,von dem dieselbe ausging, Goethe nicht in voller Weise gerecht zu werden.
Trotzdem war Heine ehrlich und klug genug, die GeringschätzungGoethes zu gunstcn Schillers, die ja auch heute noch nicht aufgehörthat, als thöricht und ungerecht anzuerkennen, und trotzdem huldigteer schließlich Goethe als dem Heros der modernen Poesie.
Minder gerecht und allzu herb ist die Beurteilung August Wil-helm von Schlegels. Für das Verständnis dieser Persönlichkeit fehlteHeine alles Maß und alle Schonung. Er wollte gegen den eigenenLehrer unparteiisch sein und wurde ungerecht gegen ihm Die VerdiensteAugust Wilhelm von Schlegels um die Wiedererweckung des deutschenMittelalters, um die Übersetzung Shakespeares fanden bei Heine keinegerechte Würdignng, kaum eine flüchtige Erwähnung.
Hei ne' s Wer ke. I. Bd. (Biographie.) 9