Biographie, 118
gefährlichsten Demagogen sehten und wenn Metternich ihn durchGentz für einen „verruchten Abenteurer" erklären ließ,
Heine, durch alle diese Angriffe in empfindlichster Weise verletztund gereift, unternahm es nun, seine politischen Berichte für die„Augsbnrger Allgemeine Zeitung" in einem Buche unter dein Titel„Französische Zustände" zu sammeln und alsbald herauszugeben.Dazu schrieb er, um seinen Standpunkt den Verdächtigungen gegen-über, die von konservativer wie von demokratischer Seite gegen ihnausgestreut wurden, klar zu legen, eine geharnischte Vorrede, derenKühnheit und Schärfe, trotz der gegenteiligen Versicherung, die da-maligen Machthaber in Deutschland ganz besonders reizen und be-leidigen mußte. Er war sich klar, daß diese Vorrede, „das leiden-schaftliche Produkt seines Unmuts über die bnndcStäglichen Beschlüsse",ihm vielleicht ans immer die Rückkehr nach Deutschland versperren würde,trotzdem schrieb er sie, einem innersten Drang seines Herzens folgend.
Diese Vorrede wurde nun von der deutschen Censur entsetzlichverstümmelt; an vielen Stellen war sie geradezu in ihr Gegenteilverkehrt worden, Heine legte gegen diese Unterdrückung Protest inder „Augsbnrger Allgemeinen Zeitung" ein und verlangte nun vonCampe, daß er die Vorrede an einem andern Orte und unter einerandern Form nochmals als Broschüre drucken lasse. Leider ist dasBenehmen Heines in dieser Angelegenheit durchaus nicht tadelfrci.Die Briefe an Campe auS jener Zeit zeigen ein beständiges Hin-nnd Herschwnnken, eine ewige Zaghaftigkeit und Besorgnis, die schlechtzu der Attitüde eines Märtyrers für die Freiheit paßt. Kaum hatCampe eingewilligt, und die Broschüre wandert in die PiererscheDruckerei nach Altenbnrg, da erfaßt Heine eine namenlose Angst vorden Folgen und er befiehlt eiligst, die ganze Auflage zu vernichten.Dies geschah auch, und nur wenige Abzüge blieben übrig, von denender eine zu Campe, der andere nach Paris wanderte, Ivo bald darauf
im Juli 1833 — die Vorrede trotz alledem und alledem in
unverkürzter Form erschien.
XI.
Wenn Heine selbst als seine Lebensaufgabe: die Vermittlungund Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich bezeichnet, sowird man auch bei kühlster und objektivster Betrachtung zugestehenmüssen, daß er an dieser großen Aufgabe fast vom ersten Tage seinesPariser Aufenthaltes an bis in seine letzten Lebensjahre unermüdlichgearbeitet hat. Er suchte dieses Ziel von allen Seiten zu fassen, zubeleuchten, und ließ keinen der Wege nnbetreten, die zur Erreichungdesselben führen konnten. Er begann damit, das Vorurteil gegenFrankreich in Deutschland zu entkräften; freilich war dieses Bestrebennur von geringem Erfolg gekrönt,
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