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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
113
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Biographie. 113

Zustände während der Zeit des Bürgcrkönigtnms im Jahre 1832 inscharfer und geistvoller Weise beleuchtete.

Man hat vielfach behauptet, Heine sei weder ein politischerSchriftsteller noch ein politischer Charakter gewesen, weil er in durch-aus subjektiver Weise die Verhältnisse aufgefaßt und beurteilt habe,so daß er den inneren Kausalnexus der politischen Erscheinungen garnicht zu erfassen vermochte und nur mit ihrer Oberfläche spielte.

Zugegeben mag werden, daß Heines politische Thätigkeit demunparteiischen Beobachter nicht in demselben glänzenden Lichte erscheint,in welchem er dieselbe in mannigfachen lyrischen und pathetischenDeklamationen darzustellen bemüht war. Und auch das muß zu-gegeben werden, daß Heine kein politischer Charakter in dem Sinnewar, daß er einen wirklichen Heroismus seiner Überzeugung zu ent-wickeln vermocht hätte.

Trotz alledem stand Heine von allem Anfang an und bis inseine letzten Lebensjahre in den Reihen der Kampfer für die Freiheitund blieb ihr treu, selbst in den Tagen der Gefahr und allgemeinenAbfalls und trotz aller Verlockungen und Drohungen.

Der Vorwurf aber der politischen Gesinnungslosigkeit rührt vor-nehmlich aus dem Mangel einer abgeschlossenen politischen Welt-anschauung her. Da er sich über die obersten Prinzipien noch nichtzu voller Klarheit durchgerungen hatte, schwärmte Heine heute fürdie Monarchie und morgen fürjene edlen Republikaner, die vonZeit zu Zeit als Blutzeugen auftreten für das Evangelium derFreiheit", trotzdem darf man es ihm glauben, wenn er gerade mitBezug auf jene Republikaner eingesteht:Ich bin nicht tugendhaftgenug, um jemals dieser Partei mich anschließen zu können; ich hasseaber zu sehr da? Laster, als daß ich sie jemals bekämpfen würde."Die beständige Versicherung Heines freilich, daß er kein Republikaner,daß erdem Rcpublikancrwcseu sehr abhold", daß er vielmehr eiuguter Monarchist, daß er Rvyalist aus angeborener Neigung sei,diese beständigen Versicherungen erwecken gerade den Verdacht, daßHeine für die republikanischen Ideen eine besondere Vorliebe hatte,die er hinter Spott und Negation verbarg.

Auch darf man nicht vergessen, daß in einerunter den aller-höchsten Privilegien deS deutschen Bundestags" erscheinenden Zeitungdie republikanischen Ideen und Tendenzen nicht gerade eine Frei-statt finden konnten.

Hätte man nun, wie Heine es mit Recht forderte, die Schwierig-keiten sowohl des Ortes wie der Zeit in Betracht gezogen, so wäreman nie zu einem so absprechenden Urteil über Heines politischeThätigkeit gelangt, am allerwenigsten in einer Zeit wie die unsere,die so vieles, was der Dichter mit einem fast prophetischen Seber-blick und mit einem wahrhaft merkwürdigen politischen ScharfsinnHeine's Werke. I. Bd. (Biographie.) 8