Biographie. 73
» Solomon Hcinc, der eben im Begriffe stand, eine größere Reise an-» zutreten. Zu einer solchen Verständigung kam es überhaupt nie undD konnte es nie kommen, weil der Kontrast zwischen Oheim und Neffe» ein zu großer und die Kluft zwischen den Weltanschauungen beider eineW nicht zu überbrückende war, sodann aber, weil die Feinde Heines in undM außerhalb seiner Familie den Oheim beständig gegen ihn aufhetzten.
Salomon Heine war im Grunde genommen einer der edelstenW und besten Menschen. Im siebzehnten Lebensjahre verließ er seineD Vaterstadt Hannover und wanderte auf gut Glück nach Hamburg,H tvo er schon in wenigen Jahren sich ein kleines Geschäft als Wechsel-Ä Makler errichten konnte. Seine eifrige Thätigkeit und seine streng-W redliche Handlungsweise verschafften ihm bald viele Freunde undGönner, so daß er schon im Jahre 1737, etwa dreizehn Jahre nachN seinem eben nicht rühmlichen Einzüge in Hamburg, mit einemD Geschäftsfreunde, Namens Hectschcr, ein Bankgeschäft begründen konnte,»das er bis zum Jahre 1818 in Compagnie betrieb, von da an aberA allein führte. Kaum ein Decennium später hatte die Firma SalomonW Hcinc einen europäischen Ruf erlangt.
Maximilian Heine hat die Parallele zwischen Oheim und NeffeM sehr richtig gezogen: Der Onkel, der durch unermüdliche Arbeit undI hohe Intelligenz so große Reichtümer selbst erworben, blieb immer»seinem Prinzip nach einfach, nie verschwenderisch, allzeit den Wert»des Groschens hochschätzend, waS ihn jedoch nie verhindert hat,«Hunderttausende für wohlthätige Zwecke wegzuschenken — der Neffe,» der den Wert des Geldes gar nicht kannte und immer bereit war, soM zu leben, als ob er über Millionen zu verfügen hätte, schien in der»Idee befangen zu sein, als ob der reiche Onkel nur deshalb ans»Erden wandelte, um seine enormen Ausgaben zy bezahlen. Beide,» Onkel und Neffe, fühlten heimlich und unausgesprochen ihren gcgen-»seitigen Wert und ihre volle Bedeutung, gerieten aber, so oft sie»zusammen kamen, jedesmal in heftigen Konflikt.
Auch die Hamburger „Tempeljuden" agitierten damals lebhaft» gegen Heine, weil er ihren kleinlichen Reformbestrebungen mit SpottWund Hohn entgegentrat, und auch sie suchten ihn bei dem reichen» Oheim anzuschwärzen.
Seit dem Erscheinen des „Almansvr" hatte die Stimmung gegen» Heine überhaupt umgeschlagen. Schärfer als die zünftige Kritik "hatteAdas lesende Publikum die Tendenz dieser Dichtung herausgewittcrt,Wund es begann ein heimlicher und öffentlicher Kampf gegen Heine.
Man wird eS nun wohl glauben, daß Heines Aufenthalt in»Hamburg durchaus kein angenehmer war, wenn man sich die Situation,H in der er sich befand, vergegenwärtigt: von den Christen gehaßt, von»den Juden angefeindet, von dein Onkel mit einem Geldgeschenk von»zehn Louisdor abgefertigt, so lebte Heine in der Stadt, die zudem