7t) Biographie.
sich der wahre Dichter; er bietet sich ihm scheinbar ungezwungen,begleitet als treuer Diener ihn auf seinem Flug in die Höhen derPoesie und vereint mit höchster Notwendigkeit doch auch eine nn-gefesseltc Freiheit. —
Der Charakter der Litteraturperiode und die darin sich kreuzendenStrömungen der Romantik und der modernen Zeit finden aber nochmehr als in den Gedichten, in den Tragödien Heines sich tief unddeutlich ausgeprägt. Beide Tragödien, „Almansor" und „WilliamNatcliff" erschienen zugleich mit dem „Lyrischen Intermezzo" und wirhaben bereits die Schicksale derselben und die Aufnahme, die sie beidem Publikum wie bei der Kritik gefunden, geschildert. Der Dichterhat beiden Werken eine Ottaverime vorgesetzt, in welcher er Inhaltund Tendenz der Tragödie andeutete.
Im „ William Ratcliff" brodelt schon die große Snppenfrage desSvcialismus, von dem in den dreißiger Jahren noch kaum jemandeine Ahnung hatte, während er ein Jahrzehnt später das Losungs-wort der Zeit geworden ist. Insofern ist der „Ratcliff" in Wahrheiteine „Hauptkonfession", eine Apotheose des Elends und das Klagelieddes Socinlismus in iruos.
In Bezug aber auf das, was eigentlich den Kernpunkt einesD rama s bildet, in Bezug auf die dramatische Charakteristik und dieEntwicklung der Handlung, sind beide Stücke nur Schülerarbcitcn,die zwar eine bedeutende Anlage verraten, in ihrer jetzigen Formaber verfehlt sind.
Dein „ Almansor" fehlt es an einem, tragischen Konflikt und aneinem dramatischen Helden! Das Grnndmotiv, daß die Liebe zer-störend auf folgende Geschlechter wirkt, ist in der dramatischen Litteratnrnicht neu; aus diesem Grnndmotiv entstanden aber stets neue Ver-wicklungen, welche eine Lösung des dramatischen KnotenS endlichherbeiführten. Im „Almansor" kann aber weder von einer eigent-lichen Handlung noch von einer Entwicklung der Charaktere die Redesein; an deren Stelle ist das rohe Fatum getreten, dessen Verhängnisdie passiven Helden erliegen müssen.
Die eigentliche Bedeutung deS „ Almansor" liegt ans einem ganzandern Gebiete: Es ist dies Drama ein Klagelied des unterdrücktenJudentums und eine Satire auf jene Jndenchristcn, die damals inder Berliner Gesellschaft eine so tonangebende Nolle spielten! DemZweck der Satire entsprechend, verlegte Heine die Handlung in ferneZeilen und ferne Länder und ließ statt der Juden Muselmänner auf-treten, daß sie in glühenden Versen ihren Haß und ihr Weh aussprächen.
Auch die Handlung des „William Ratcliff" darf wohl als bekanntvorausgesetzt werden. Heine hat wohl selbst die Schwäche seinesWerkes erkannt, indem er es eine „dramatisierte Ballade" nennt;wie aus der Widmung an Friedrich Mcrckcl hervorgeht, ist etwas