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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
62
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62 Biographie.

genommen und in der Periode vor den großen Befreiungskriegennaturgemäß ihre Blütezeit gefeiert.

Ihr Forum war eine ncnbcgründete Zeitschrift, dasAthenäum",in der die jungen Romantiker zunächst ihre Anschauungen über Kunstund Poesie, über Philosophie und Leben in breiten Ausführungendarlegten. Das Programm der Schule hatte Friedrich Schlegelfolgendermaßen formuliert:Die romantische Poesie ist eine Pro-gressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle ge-trennte Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen und die Poesiemit der Philosophie und Rhetorik in Berührung zu setzen; siewill und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Knnst-poesic und Naturpvesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesielebendig und gesellig, und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen,den Witz pvetisieren und die Formen der Knust mit gediegenemBildnngsstoff jeder Art anfüllen und sättigen, und durch die Schwin-gung des Humors beseelen. Sie allein ist unendlich, wie sie alleinfrei ist, und das als ihr erstes Gesetz anerkennt, daß die Willkürdes Dichters kein Gesetz über sich leide."

Das war das Programm der Romantik und zwar das relativam klarsten ausgesprochene; man kann sich nun denken, welchen Wirr-warr die andern Manifeste der Schule enthüllten! Hatte ja doch selbstKaroline von Schlegel, die Egeria der Romantik, unter eines dieserProgramme den Satz geschrieben:Kurz, es muß alles durcheinandergerührt werden!"

So unklar und mystisch wie das Programm, war auch dieParole der Schule, sie hieß:Romantische Ironie". Auf dieseParole muß aber hier näher eingegangen werden, weil aus ihr nichtnur das Wesen der Romantik zu verstehen und zu erklären ist, sondernweil in ihr auch die Bedingungen ihres Auflösungsprozesses liegen.

Und was für uns das Wichtigste ist: die Ironie und derWitz der Romantik sind der Schlüssel zum Verständnisder rätselhaften Dichtcrnatur Heines!

Es ist ein Zeugnis für die große Unklarheit ihres Möllens, daßin sämtlichen Schriften der Romantiker keine erschöpfende Definitiondes BegriffsIronie" sich vorfindet. Und doch ist diese Ironie, nachdein Ausspruche Hardenbergs, des Propheten der romantischen Schule,die Spadille, womit immer gestochen würde".

Friedrich Schlegel hat wie das Programm, so auch die Paroleder Ironie ausgegeben, er findet sie zuerst bei Plato in jenerMischung von Scherz und Ernst, welche für viele geheimer unddunkler ist als alle Mysterien". In der erhabenen Urbanität derantiken Muse sei alles Scherz und alles Ernst, alles treuherzig offenund alles tiefverstellt.Opfere den Grazien, heißt, wenn es einemPhilosophen gesagt wird, soviel als: schaffe dir Ironie!"