48 Biographie,
Tagen stammen, beklagte Heine das Weh seiner unglücklichen und ver-ratenen Liebe,
lind nur in den Armen der Muse allein fand er Traft undRuhe für seine vielen teils wirklichen, teils eingebildeten Leiden,
Mit allem Eifer wendete Heine sich jetzt seinem Licblingsplan zu,den er bereits seit fünf Jahren hegte, ohne ihn erfüllen zu können,der Veröffentlichung seiner Gedichte, Bereits in Bonn hatte er derWeberschen Buchhandlung dieselben zum Verlag angetragen; dasManuskript lag lange Zeit im Pulte des Buchhändlers und wandertedann nngclcsen zu dem jungen Autor zurück. Einen zweiten Versuchinachte Heine von Göttingen aus, indem er der Verlagsbuchhandlungvon F, A, Brvckhans in Leipzig mit folgenden Worten den Verlaganbot: „Ich wünschte recht sehr, daß Sie selbst mein Manuskriptdurchlesen möchten, und bei Ihrem bekannten richtigen Sinn für Poesiebin ich überzeugt, daß Sie wenigstens der ersten Halste dieser Gedichtedie strengste Originalität nicht absprechen werden. Dieses letztere,welches heutzutage schon etwas wert ist, muhten mir auch die zähestenKnnstrichter zugestehen, vorzüglich mein Meister A, W, von Schlegel,welcher (vorigen Winter und Sommer in Bonn) meine Gedichte mehr-mals kritisch durchhechelte, manche Auswüchse derselben hübsch aus-merzte, manches Schöne besser anstutzte und das Ganze, Gott seiDank, ziemlich lobte. Da mich leidliche Verhältnisse zwingen, jedesGedicht, dem man nur irgend eine politische Deutung unterlegen könnte,zu unterdrücken, und meist nur erotische Sachen in dieser Sammlungaufzunehmen, so mußte solche freilich ziemlich mager ausfallen,"
Der Berlagsantrag des jungen Studenten, der sich in diesemBriefe seltsamerweise „Rechtskandidat" nannte, während er im drittenSemester stand, wurde indes von Brockhaus mit der „äußerst zier-lichen und höflichen Antwort, daß er gar zu sehr in diesem Augen-blicke mit Vcrlagsartikeln überladen sei", abgelehnt,
Heine tröstete sich damit, daß es auch Goethe mit seinen erstenProdukten so ergangen sei, und machte nun keinen weiteren Versuch,bis er in Berlin durch Varnhagen von Ense mit dein berühmtenProfessor F, W, Kubitz bekannt wurde, dessen „Gesellschafter" damalsdie beliebteste Zeitschrift in Berlin war. Diesem überreichte er eineAnzahl seiner Gedichte mit den Worten: „Ich bin Ihnen völlig un-bekannt, will aber durch Sie bekannt werden," In der Nummervom 7, Mai 1821 erschien sein erstes Gedicht, das bekannte „Traum-bild" vom Kirchhof: „Ich kam von meiner Herrin Haus", In dennächsten Nummern folgten dann „Die Minnesänger", das „Gesprächauf der Paderborner Heide", einige von den Fresko-Sonetten „DieBrautnacht", das „Ständchen eines Mauren" und die llbcrsetzungeinzelner Secnen aus Byrons „Manfred", Der neue, ungewöhnliche,ja bisher unerhörte Ton dieser Gedichte erregte in jener stillen Zeit