Biographie. 45
Erklärung des Paradoxons liest, das sie „für eine Wahrheit" hält,„die noch keinen Raum finden kann, sich darzustellen; die gewaltsamin die Welt drängt und mit einer Verrenkung hervordringt".
Ihrer Verehrung für Goethe hat Rahcl in dem Briefwechselmit Barnhagen ein merkwürdiges Denkmal gesellt, schon im Jahre 1808,also zu einer Zeit, wo Goethe von der Berliner Kritik noch nichtdurchweg anerkannt war.
In ihrem ersten .Kreise trafen Alexander und Wilhelm von Hum-bol dt, Fichte, Nugnst Wilhelm und Friedrich von Schlegel, Tieck undSchlciermacher, Bosch, Geich, Chnmissv, Fvuquä, Gans, Hillig nudvon Frauen DorothcaMendelssohn, Henriette Herz, PanlineWicseln.n.,sowie die Mitglieder der höchsten Aristokratie, Prinz Louis Ferdinand,die Herren von Marwitz, von Brinkmann u. a. zusammen.
lind in diesen Kreis trat nun auch Harry Heine im Frühlingdes JahreS 1821 ein. Rahel und Varnhagen fanden beide an demjungen geistvollen und witzigen Manne inniges Wohlgefallen undbald war ihr Salon die Wiege seines Dichtcrrnhms. Während Nahcldurch ihr schwärmerisches Sinnen und durch ihr geistvolles WesenHeine an sich zog, übte der streng kritische Barnhagen auf seinedichterische Entwicklung hervorragenden Einfluß. Auch Heine wurdefür die Goethe-Gemeinde als Mitglied geworben, obwohl er durchausnicht zu den unbedingten Anbetern des Dichters gehörte und trotzdemer sich auch niemals zu einer so abgöttischen Verehrung Goethes hin-reißen ließ, wie sie in jenen Kreisen heimisch war.
Gegen diese blinde Schwärmerei wagte Heine nur hier und daein e schüchterne Opposition; aber die „geistreichste Frau des lluivcrsums", wie Heine Rahel später einmal nannte, „wußte den Ketzerbald zu überzeugen, wenn auch nicht völlig zu bekehren". Rahel verstandHeine wie kaum sonst jemand; sie selbst erzählt; „Er wurde unsvor mehreren Jahren zugeführt, wie so viele, und immer zu viele;da er fein und absonderlich ist, verstand ich ihn oft, und er mich,wo ihn andere nicht vernahmen; das gewann ihn mir und er nahmmich als Patronin. Ich lobte ihn, wie alle, gern, und ließ ihmnichts durch, sah ich's vor dein Druck; doch das geschah kaum; nudich tadelte dann scharf."
Als Zeichen seiner freundschaftlichen Zuneigung widmete Heinespäter seiner Freundin Rahcl sein „lyrisches Intermezzo".
Rahel war über diese Widmung sehr erfreut, weil sie sich dessenbewußt war, die dichterische Begabung Heines früh erkannt und stetsgewürdigt zu haben. Als Rahcl am 7. März 1833, 62 Jahre alt,starb, verlor auch Heine eine der festesten Stützen seines Lebens.
Nicht so innig und so ununterbrochen treu wie das Verhältniszu Nahcl, war die Freundschaft zwischen Heine und Varnhagen. Lagdie Schuld daran an dein reizbaren Naturell Varnhagen?, oder au