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Biographie.
Geister, mächtigen Einfluß auf ihn und seinen Spuren ging Heineeifrig nach. „Mich dnrchschaucrt's, wenn ich denke: auf dieser Stellehat vielleicht Lessing gestanden!" rief er aus, als er zuerst „Unterden Linden" spazieren ging. Sichtbare Spuren dieser Herrschaft trafer allerdings in den Kreisen, auf die er zunächst angewiesen war,kaum an; nur unsichtbar wirkte der Geist Lessings noch nach undwarf einen Schimmer der Verklärung über das Berlin der dreißigerJahre, welches vornehmlich für die Romane von Walter Scottschwärmte, sofern nicht seine litterarischen Neigungen noch viel tiefergingen und ihre Befriedigung in den Romanen von Clauren undGenossen überreichlich fanden.
Nur eine verhältnismäßig kleine, aber desto eifrigere und be-geisterte Gemeinde hatte sich in Berlin vereinigt, um dem Goethe-Kultus ihre Altäre zu errichten. Die Innigkeit und Schwärmerei,ja die wahrhaft abgöttische Verehrung, die diese kleine Gemeinde demDichterfürsten von Weimar zollte, wird uns erklärlich und ver-ständlich, wenn wir bedenken, daß es vornehmlich Frauen waren, diediesem Kultus gehuldigt und die dem Dichter die Herzen der bestenund edelsten Männer des damaligen Berlin, sei es im Sturme, seies im langen mühevollen Werben, stets aber voll und ganz eroberten.Von diesen Frauen steht eine in erster Reihe; man darf sie als diePriesterin der Berliner Goethe-Gemeinde betrachten: Rahcl Lcvin.
Nahel Levin MarknS, geboren im Jahre 1771, vermählte sich imJahre1814 mit Barnhagen von Ense und starb im Jahre 1883 in Berlin.
Sie war die Pythia der Berliner Gesellschaft; ihre Aussprüchegalten in den gebildeten Kreisen und in den „Salons" für delphischeOrakel — die hervorragendsten Romantiker waren ihre Freunde, dieElite der Berliner Gesellschaft bildete den Kreis ihrer Verehrer, dasjunge Deutschland den Heerbaun ihrer apostolischen Streiter undGoethe war ihr Gott. Ihre Weltanschauung, ihr ganzes Sein undEmpfinden, ihr Denken und Fühlen ist nur der Reflex ihrer Vcrehrnng für Goethe: ihre ganze geistige Existenz ist von ihm ab-hängig, ihr Horizont von seinen Werken umgrenzt. Mit großengeistigen Gaben ausgestattet, Volt einer merkwürdigen Klugheit undHcrzensgüte, dabei auch von stärkster Subjektivität und Leidenschaftlichkeit, bewegte sie sich in den seltsamsten Paradoxen: Goetheund Fichte waren die Pole ihres Denkens, jetzt voll glühenderSinnlichkeit, ist sie doch bald darauf von sittlicher Wärme durch-drungen, heute eine willensstarke Atheistin, predigt sie morgen fastmit asketischer Verzückung religiöse Wahrheiten, hier das ewig Weiblicheüber alles stellend, dort der Emancipativn des Fleisches huldigend,Egoismus und Liebe, Svphistik und Leidenschaft in sich vereinigend,aber zu keiner Harmonie verschmelzend — so war Nahet, lind »mirversteht diese merkwürdige Franengcstnlt am besten, wenn man ihre