214 Briefwechsel mit Abbt.
Urtheil über ihn zu lesen. Es kann ihn, nicht fremd seyn,scharf genug beurtheilt zu werden; da ein ganzes Par-terre sich oft die Freyheit um einige Thaler erkauft, ihnauszuzischen, so oft er etwas versieht. Und wenn esuns erlaubt wäre, einen tiefern Blick in seine Familienumstände zu werfen: so wollten wir fast rathen, daß derempfindliche Unwille seines Vaters, den er selbst nachseiner rührenden Beschreibung hat empfinden müssen, auseiner solche,; etwas harten Kritik des Parterre hergekom-men seyn dürfte. Auch wir haben es uns angelegen seynlassen, ihn wegen des Rückfalles zu seiner unnatürlichenErnsthaftigkeit etwas zu züchtigen; und wenn er nichtmit Thränen in den Augen uns bittet zu lachen, so wer-den wir nicht lachen. Nicht daß wir zu der Sekte unsrerdeutschen Grabersangcr geHorten. So ernsthaft sind wirnicht. Und eben deßwegen wollen wir nicht, daß allesum uns herum sogar bis auf den Harlekin ernsthaftwerde.
Da wir überzeugt sind, daß es auch hinter unsnoch ganz ansehnliche Klassen von Thoren gebe: so wün-schen wir wenigstens, daß es sich Harlekin gefallen lasse,ein wenig naher zu uns sich zu gesellen, um uns unsereZeit desto besser zu vertreiben; gesetzt auch, daß er seinerKlasse ein bischen abtrünnig würde. Wir versichern ihnübrigens, daß wir keine Deutsche, keine privilcgirte, we-der königliche noch herzogliche Gesellschaft ausmachen.Würkiich denken wir darin zu gut von Harlekin, als daßwir ihn Quacksalbern zugesellen wollten.
Er darf also kein Diplom erwarten. Ja es kannseyn, daß er von nun an nichts weiter von uns vernimmt,außer daß wir ihn, einige Groschcnstückc zuwenden. Auchdiese Anzeige würde er nicht erhalten haben, wenn nichtein Glied dieser kleinen Gesellschaft nach Westphalen
wäre