164 Briefwechsel mit Friedrich Nicolai.
Zeit weg; vhne was ich in meinen andern Dcpartcmcnsthun muß. Doch ist es ein Glück für mich, daß ich michmeinen Favoritarbeiten nicht überlassen kann. Bey jenenbehalte ich Hunger und Durst; aber bey diesen würde ichmich in weniger Zeit um meine Gesundheit schreiben.So spricht wenigstens meine Frau, und sie hat zuweilenRecht. Die Ihrige wird vermuthlich auch so sprechen,da Sie alle Verbindungen mit dem Publikum aufopfernwollen. Was gelobt man nicht in der Angst? Die Stundewird aber auch wieder kommen, wo Sie einen glücklichenEinfall haben werden, und ihn ohne einen und andernFreund nicht genießen können. Und dann werden auchwohl mehrere dazu gebeten, bis endlich der Verleger dieganze Welt invitirt. Das erwarte ich gewiß, und binauch dafür mit der vollkommensten Hochachtung Ew. ge-horsamster Diener.
18-
Osnabrück, den 14.Sept. >777.
Aebey übersende ich Ihnen, werthester Herr und Freund,den Rest meiner Phantasieen, und überlasse es IhrerWahl, was Sie damit machen wollen. Man wird end-lich steif und alt, und mich däucht oft, die Munterkeit,wodurch ich meine Vorstellungen zu heben suche, sey nichtmehr so wahr, als vordem: es sey heiße Liebe in demMunde eines Greises. Jedoch nehme ich mich so vielmöglich in Acht, von Sachen zu schreiben, deren Wahr-heit und Nutzbarkeit ich nicht lebhaft empfinde, um aufdiese Weise meine Armuth nicht zu verrathen. So ma-chen