Briefwechsel mit Friedrich Ricolai. 141
5.
Osnabrück, den;. April 1767.
^w. gechrtesies vom 19M1 prueter. erhalte ich erstheute, und da ich auf die mir vorgelegten Fragen mitder ersten reitenden Post antworten will, so muß ich michnur kurz und eilig rummeln. Wir sprechen doch vondem redlichen Abbt?
Die Ideen, so ich ihm zu einem Plane seiner All-gemeinen Welthisiorie gegeben haben soll, und wovoner in seiner Vorrede zu derselben erwähnt, sind mirwirklich entfallen. Ich erinnere mich nur, daß ich sei-nen ganzen Vorsatz, einen Auszug aus anderer Leute Ar-beit zu machen, nie gebilligct, und ihm beständig davonabgcrathen habe. Ein Mann, wie er, mußte nicht nachKovu'en arbeiten; er durste und konnte wohl selbst dieOr'amalien ansehen, und sein Auge wurde ihm allezeitein Mchreres entdeckt haben, als alle seine Vorgängergesehen hatten. Es war überhaupt eine unüberlegte Arbeit,eine von andern geschriebene Geschichte durch die Kunstdes Stils und die Macht i n- Gedanken aufstützen zu wol-len. Ein solches Werk wird allezeit etwas Gedehntesbehalten. Beides muß aus einer aufmerksam«! undlangen Betrachtung des Originals gleichsam erzeugt wer-den. Der Stil ist sonst nicht genug gesättigt, und dirSentenz gesucht, oder mchrcnrheils witzig.
Ueber die Frage: ob es rathsam sey, daß er sichseinen Lchnsiuhl unter den Apfelbanm im Paradiesesetzte, 'und aus diesem Standpunkt die nach und nachkeimenden Volker um sich herum entstehen sahe, mithiuin der ersten Geschichte die Feder dem Auge in der Ord-nung folgen lasse? erinnere ich mich etwas gesagt zu ha-ben. Es ist aber vielleicht besser/ daß es mit ihn? ver-loren