16 Nachricht von dem ersten gedruckten
nannten sich jene, um sich von ihnen zu unterscheiden,Wohlgebornc Herren: worin ihnen die Andernso bald nicht folgen konnten, weil sie nicht wohl oderfrey, sondern dienstbar geboren waren. Vorheraber und ehe die vom Dienstadel sich Herren nen-nen ließen, hielten die alten Freyen, wie der Verfasserin obiger Note gleichfalls sehr wohl bemerkt, das WortEdel weit hoher als Wohlgebohrn. Die Ursachedavon ist auch leicht zu finden, indem „Wohlgeborn"eigentlich ein Titel der Grafen war, welche zu derZeit wie die Grafschaften noch einen Schein von Bedie-nungen hatten, solchen Titel zum Zeichen annahmen,baß sie aus dem Herren stände entsprossen, mithinwohlgcborcn waren. Die edlen Herren also, welches-'-> nnrer keine Bedienung erniedrigt hatten, konntendieses Titels wohl entbehren, Ihr unveränderter freyerEranb redete von selbst, daß sie wohlgeboren waren. --Eigentlich war auch der Grafliche Stand geringer als derHcrrcnstand, ungeachtet jene den Rang bey Hofe hat-ten. Daher stehen in einigen Urkunden aus dem vier-zehnten und fünfzehnten Jahrhundert die edlen Herrenvor den Grafen. Was Wunder also daß die Freyen,wie sie der Verfasser nennt, vordem Schwierigkeit ge-macht, den Titel „Wohlgeborn" anzunehmen? Undwas Wunder, daß der neue Gebrauch zu Ende des fünf-zehnten Jahrhunderts ein anderes mit sich brachte, dawegen zunehmenden Ansehens des Dienstadels, die Fä-higkeit ein Graf werden zu können, aus Noth ein Vor-zug des Herrcnstandcs wurde? Und dieser Noth ist esallein zuzuschreiben, daß verschiedene edle Herren sichin den Grafenstand erheben ließen, nicht um eine Bedie-nung dadurch zu erhalten, sondern nur bloß um durchihre Grafenmaßigkcit den Unterschied zwischen ihnen unddem Dienstadel außer alle Zweydeutigkeit zu setzen.
Der