222 Recensionen vom Deutsch.Nationalgcist.
erwarten d. F ^.e Franzosen uns als arbeitsame Pedanten,die Englander als mitleidenswürdige Sklaven, und dieJtalianer als grobe Schlucker schilderten? Wir solltenes mit Gedult anhören, wenn ein vornehmer Kardinalsagt: Ich erkenne die drey Nationen beyeinem Glase Wein, worin ei^ Fliege liegt.Der Jtalianer giebt das. Glas weg; derFranzose nimmt die Fliege heraus; undder Deutsche schluckt sie mit herunter? —Nun das ist freylich nicht rathsam. Wir thun alsonicht übel, daß wir uns selbst malen.
Mein, wo finden wir die Nation? An den Hosen?Dies wird niemand behaupten. In den Städten sindverfehlte und verdorbene Kopicen; in der Armee, abge-richtete Maschinen; auf dem Lande, unterdrückte Bau-ern. Die Zeit, wo jeder Franke oder Sachse parorn-l
(das ist sein allodial freyes, von keinem Lehns-oderGutsherrn abhängendes Erbgut) bauctc, und in eigenerPerson vertheidigte; wo er von seinem Hofe zur gcmci-ucn Landesverfammlung kam, und der Mensch der keinensolchen Hof besaß, wenn er auch der reichste Krämer ge-wesen wäre, zur Klaffe der Armen und ungechrtcn Leutegehörte: diese Zeit war im Stande, uns eine Nation zuzeigen. Allein die gegenwartige ist es nicht.
Doch der Nationalge ist ist erschienen und ge-druckt; und der Verfasser, der sich in jeder Wendungdes Stils und des Ausdrucks selbst schildert, muß dochauch wohl andere malen können. Freylich kann er dies,und wir lassen ihm die Gerechtigkeit gern wiederfahrcn,daß er ziemlich zn treffen, und besonders die Stellungenwohl anzulegen wisse, ob er gleich seine Farben biswei-len auf eine sonderbare Art vermischet. Ob er abernicht sein Auge zu nahe auf dem Bilde gehabt, und ob
er