i?2 Ueber das Schreiben an einen Oberrabbincr.
„ nachdem Gott einmal gesagt hatte, daß alle Menschen„ des ewigen Todes sterben sollten. Auf eine andre Art„konnte sie sich nicht helfen, und eine Hülfe Ware doch„nothig. Denn eine jede Nation, sobald sie anfinge„ sich zu bilden, wolle durchaus ein ewiges Leben. Je„ großer und trauriger ihre Schicksale werden; je öfte-rer der Ungerechte auf dem Throne sitzt, und der Ge-rechte im Staube kriecht: desto heißer würden ihre„Wünsche nach einem künftigen Leben seyn, desto mehr„würde sie ihre Hofnungen auf eine billigere Zukunft„ richten, und desto öfterer würde sie Propheten zu ih-rer Beruhigung erwecken. Dieses bringt der natür-liche Gang ihrer Empfindungen und Gedanken mit sich;„und sollte diese Nation einen Gott anbeten der ihr alle„Hofnung jenseits des Grabes untersagt hatte: sie„würde sich wider sein Gebot empören, Himmel und„Erde zum Mitleid bewegen, und zuletzt, es möge kosten„was es wolle, ein Mittel ausfinden, diesen Fluch des,, Gesetzes in einen tröstlichen Segen zu verwandeln. —„Dies würde die Nation thun, wenn sie anders ans„denkenden Menschen bestünde; diesen sey es nicht mög-
„ lich ohne alle Hofnungen ins Grab zu gehen "
Mein Freund blieb jedoch auf seinem Sinn, undbehauptete eines Theils: daß die Mosaische Religion dieUnsterblichkeit der Seelen ebenfalls vorausgesetzt hatte;und andern Theils: daß die Folge nicht so gewesen Ware,wie ich sie zu meiner Behauptung nöthig hatte.— Hier-auf sandte ich ihm denBricf an den Oberrabbi-ner, und schrieb ihm dabey„Ich verlange nicht, daß„Sie auch nur das Geringste von dem was ich gesagt,„für wahr halten sollen; aber glauben Sie nicht, daß„die Geschichte, so wie ich sie beschrieben, mög-lich sey?"
Schrei-