Schreiben an einen Oberrabbkner. i6?
Dieses werden Sie mir zwar nicht so fort aufmein Wort glauben, und ich fordere es auch nicht.Sie müssen mir aber doch cingcsichcn, daß wenn einSadducäcr sich mit Macht auf den Satz lehnte, undihn als orthodox behauptete: daß nach dem unveränder-lichen Gesetze des Gottes Abrahams, Jfaaks undJakobs, alle Menschen ewig sterben müßten; der Pha-risäer, der ohne Gefahr das Gesetz nicht ganz beySeite setzen durfte, keinen feinern Schluß gegen ihnmachen konnte, als wenn er sagte: daß es zwey völliggleiche Wahrheiten wären, ob alle Menschen ewig, oderein Ewiger für alle Menschen sterbe. Der Pharisäerkonnte ihm sogar sagen: alle Menschen sterben wirklichewig die in dem Ewigen sterben, oder in seinen Tod ge-taufte werden; das Gesetz werde also buchstäblicherfüllt, und der unveränderliche Wille Gottes bleibe inseiner unendlichen Kraft.
Dieses Eingeständnis; können Sie mir ohne Unbil-ligkeit nicht versagen. Der Satz ist in der Philosophieeines Volks, das die Unsterblichkeit der Seele durcheine ausdrückliche Verordnung seines Gottes aus seinemGlaubcnssystcm ausgeschlossen sah, zu schon, zu will-kommen, und zu reizend, um nicht mit offnen Herzenund Armen angenommen zu werden; er mußte mitEnthusiasmus gelehrt, mit Triumph behauptet, unddie Lieblingswahrhcit aller Weisen werden; er mußteeine Art von Freudigkeit des Geistes, eine Bcredtsam-keit wirken, zu der man sagen konnte: die große Kunstmacht dich rasen; Worte, welche Fcstus zum Pau-lus sagte, da dieser in der Fülle des Geistes dem Kä-nig Agrippa die Auferstehung von den Todten mit allerMacht verkündigte, womit ihn die pharisäische Philo-sophie und das Wunder Gottes ausgerüstet hatte.
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