Harlekin
daß der Mangel der Einheit des Tons das ganze Ge-mälde verstelle. Ein großer Meister drohet oft, anseinem Ton in einen ganz fremden überzugehen ; alleiner besitzt die Kunst, auch das Widrige zu vereinigen,und den Gedanken in einem Largo zu heben, welcher ineinem Menuet geschmeidiger und freudiger den geschwin-den Handen entschlüpfte. Ein Maler dampft die ver-wegensten Farben nach dem allgemeinen Schatten seinesStücks; er bringt einen Hund inSalomons Opferung,setzt ihn aber in eine solche Entfernung, und legt ihmein solches Erstaunen und so viel Ehrfurcht in die Au-gen, daß man fast glauben muß, er gehöre mit dazu.Ein Savarcy zwingt Löwen und Lämmer zu demSitze des Orpheus; und die Macht der Musik erschafftin ihren Augen Entzückung und Frieden. Ja ich kenneeinen Trancrspielcr, welcher alle seine Prinzessinnen erstnach der Flöte stimmt, um das Concerts zu erhalten,und die Tone der Worter unter einen Schlüssel zubringen.
Die Haupteinheit des Stücks, welclH Corneillesehr oft einer kühnern Schönheit aufgeopfert, Vol-taire aber niemals verletzt, begreift in ihrens weitestenUmfange, und so weit das feinesie Gefühl derselbenreicht, nicht das mindeste was nicht in meinen Gemäl-den beobachtet werden konnte. Ich gerathc in eine Artvon Entzückung, wenn ich die Harmonie meiner gro-tesken Schöpfung betrachte. Ich, als die Hauptperson,zeige mich immer mit einem mir eigenen Anstand in derbesten Stelle, und sättige das begierige Auge mitlachen-den Freuden. Alle meine- Mitspieler folgen stufenweisenach mir; und unter denselben findet sich keine einzelneabstechende Schönheit, welche die Aufmerksamkeit aufdas Ganze unterbräche, oder für Andre um Verzeihungflehte. Durch mich erhält das ganze Gemälde Leben,
und