Druckschrift 
7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

82

Harlekin

selbst vor unsrer Bühne erschienen sind, besonders seit-dem das Frauenzimmer einen Arbeitsbeutel mitbrin-gen"), und sein zartes Gewissen damit beruhigen kön-nen. Allein wenn man, nach meinem Beyspiel, mitder Wahrheit hervorgehen will: so wird Jeder für sichselbst gestehen müssen, daß die Begierde, sich aufzu-muntern und zu ergehen ich darf gegen den trauri-gen Z)oung nicht sagen, eine leere Stunde hinzubrin-gen die meisten Zuschauer herzuführen pflege.

Ich sehe auch eben nicht, was gegen einen sonothigen und nützlichen Bewegungsgrund mit Beständezu erinnern seyn mochte. Wir lieben den Tanz, nichtum unsre Sitten zu bessern, auch wohl immer nicht,um unsern Korper zu bewegen, wie manches jungeHerz seinen Verstand gern bereden mochte. Wir höreneine lustige Musik nicht, weil Graun und Pergo-lcsi unsre Herzen bekehren. Nein, wir suchen bloßuns zu besänftigen, zu beruhigen, zu erheitern, undden ermüdeten Geist zu crnsthaftern Pflichten zu berei-ten. Selbst das so hochgerühmte Trauerspiel, worinallein die Großen der Erde sich vor dein Schicksal derNiedrigen bücken, schmeichelt unsrer Eigenliebe mehrals es sie bessert; und oft sind solche Gahrungcn ineinem Staatskorpcr, Wobey es gefahrlich ist die Maje-stät nach der poetischen Gerechtigkeit zu bestrafen, oderSchrecken und Mitleiden in solche Herzen zu gießen,welche der Pachter oder Kriegeskommissarius auf emeweit nachdrücklichere Art zum Bluten bringt. Ist esnun aber hier erlaubt, bloß um die heilsame Arzney desVergnügens zu genießen, und ohne daß der Nutzen den

Vor-

*) Es ist dieses nunmehr auch in den Wochenpredigten

zu Paris erlaubt.