4 Der Werth wohlgewogner Neigungen.
eben diesen Verlust außerordentlich gerühret war, sodurfte ich meine eigenen Empfindungen nur einiger-maßen ausdrücken, um ihre traurige Absicht zu beför-dern. Sie, die beste Gemahlinn, die trcueste Mutter,die standhafteste Christinn, die eifrigste Freundinn, istnunmehr auch in ihrem blühenden Alter*) gestorbn,und eines Wunsches gewahret worden, welcher sich aufnichts weniger als auf eine ewige selige Vereinigung mitihrem theuresten Gemahle erstreckte. Ich halte alsobey mir beschlossen, ihrem beiderseitigen Andenken instiller Betrübniß nur ungesehene Thränen zu widmen,als eine schmeichelhafte Erwartung mich wegen diesesStillschweigens zur Rechenschaft fordern wollte.
Da ich mich nun hierauf verbunden erachtet, meineangefangene Arbeit zu vollenden, und dem Drucke zuüberlassen: so habe ich, um den Nutze» davon etwasallgemeiner zu machen, meine erste Absicht in ei-nigen Stücken verändert, und in einem moralischen Cha-rakter den Werth wohlgewogner Neigungen und Leiden-schaften nach ihren verschiedenen Wirkungen, und be-sonders auch in unsern letzten entscheidenden Stundengezeigt, wobey ich jedoch das Urbild immer vor Augengehabt, und mich nur in diejenigen Falle eingelassenworin dasselbe sich im Leben und Tode befunden.
Diese Aenderung meines ersten Vorsatzes gefiel mirum so viel mehr, weil der Herr von dem Busclw in dieaußerordentliche Güte seines Herzens, und in die edleStarke seiner Leidenschaften, welche Leben und Güterfür eine große schöne That verachtet hatten, ein redli-ches
*) Frau Henriette Dorothea Johanne von dem Busche,geborne von Ledebur, starb den i Oct. >755, und wargeboren den 8 Nov. >717.