Druckschrift 
7 (1797) Vermischte Schriften, Th. 1
Entstehung
Seite
108
Einzelbild herunterladen
 

io8

Leben

Nacht vom siebenten zum achten Jänner empfander ängstliche Bewegungen. Er hielt sie anfänglichnach seiner gewohnlichen Art für eine Wohlthat derNatur, den Körper von innen heraus von dem al-ten Uebel zu befreyen. Bald aber merkte er seinenIrrthum, fühlte daß es Todesschweiß war, undsagte, eingedenk seines Streits mit seinen Freundenüber die Richtigkeit seiner Hypothese, mit größterGleichmüthigkeit:Ich habe den Prozeß verloren!"Er gab ruhig noch einige Aufträge*), ließ seinervortreflichen Tochter, der zweyten Hälfte seines Her-zens, für alle Beweise ihrer Zärtlichkeit danken, undsagte: Er sey nun müde und wolle schlafen. Soentschlief er, ruhig, so wie erlebte.

Noch mehr über den Mann und den Freundzu sagen, erlaubt mir meine Empfindung nicht, diemich übernimmt, indem ich schreibe.

Seine Beerdigung war äusserst feyerlich, nichtdes Pomps wegen, sondern wegen der herzlichenTheilnehmung, da eine große Anzahl Menschen ausallen Ständen dazu freywillig lind ungebeten kamen,sogar Bauern vom lande, um einem allgemein ver-ehrten Manne das letzte Zeichen ihrer Zuneigung zugeben.

') Mai? sehe Hm. I). Klsukers Nachricht von Mvsers Tobe

in der Bsrl. Monatsschrift 1794. May. S. 489.