Iustus Mösers.
Wir Deutschen suchen noch immer Lebenslangeinen größern Werth, als andere Nationen, indemwas im gemeinen gelehrten Leben Studium heißt,nämlich in dem Lernen auf Schulen und Universitäten:denn nicht wenige Deutsche vermeinen noch immer,wenn sie die Anfangsgründe der Wissenschaften sichhaben vorsagen lassen, hatten sie die Wissenschaftenselbst erlangt. Daher berichten auch die Biographenunserer berühmten Gelehrten oft umständlicher alsnöthig wäre, nicht nur auf welchen Universitäten undwie lange der Verstorbene studirt Habs, sondert?auch welche Lehrer ihm mit der Metaphysik, dem er,sten Gegenstande deutscher Studentenweisheit, odermit dem was etwa neue scholastische Mode an dieStelle der ältern Metaphysik setzt, den Kops so sehrangefüllt haben, daß für nützlichere Wissenschaftenweniger Raum blieb, oder welcher steifgelehrte An«tecessor und Ordinanns den Schüler durchdie Jrrgänge der Pandekten ohne herausleitendsnFaden geführt, oder dessen gesunden Verstand überdie dormchten Wege des kanonischen Rechts nichtohne einige Verletzung habe stolpern, oder ihn imKriminalrechte ans Vorliebe zu Kaiser Karls peinli-cher Halsgenebksordnung habe lustwandeln lassen.
Die Methode zu studiren auf den deutschenUniversitäten, war in Mösers Jünglingsjahren nochziemlich auf dem gelehrten Grundsatz gebauet: daßman für die Schule, aber eben nicht fürs menschli«che Leben lernen müsse; wie denn damals der Glauben