Geldorp. Jugend. Rektorat in Sneek, Leuwarden n. Delft. 677
von einer Reise zurück, begab sich aber doch, weil es Fronleichnamwar, gleich in die Kirche; aber gerade, während der Priester dasgeweihte Brot aufhob, rieb er sich den Schlaf aus den Augen.
Persyn, der nach Geldorp selbst Atheist war, sah es und be-zeugte, Gcldorp habe die Hand vor die Augen gehalten, um seineVerachtung des Mysteriums zu zeige». Darauf wurde beschlossen,ihn gefangen zu nehmen, aber nicht öffentlich. Indessen Gcldorpkam dem zuvor und ward zum zweitenmal flüchtig. Ein einfluß-reicher Verwandter seiner Frau, Joachim Hopperus, der 1554 durchMargaretha von Parma zum Mitglied des hohen Rates zu Mecheluberufen war, dann dessen Präsident und später Mitglied des GeheimenRats zu Brüssel wurde, wußte Persyn einstweilen von weiter»Schritten abzuhalten.
Das Rektorat in Leuwarden hatte Gcldorp übrigens wegender Verfolgungen des Persyn schon vorher aufgekündigt und einegleiche Stellung unter günstigen Bedingungen in Delft angenommen.Diesen Dienst trat er, wie es scheint, noch im Jahre 1555 an.Aber auch dort sollte er nicht lange ruhig leben. Der PastorGondanus hatte das Rektorat einem Schüler der Universität LöwenauS seiner Freundschaft zugedacht und trat daher dem friesischenKetzer ans Leuwarden gleich feindlich entgegen. Nun wurde er imfolgenden Jahre auch noch zum Kctzerrichtcr ernannt und hatte somitGetegenheit gegen Gcldorp einzuschreiten. Derselbe wurde vorgeladenund mit allerlei nichtigen Anschuldigungen angegriffen. Gondauusstarb zwar bald darauf, aber trotzdem, daß die Behörde von Delftfür Gcldorp eintrat und der Hof von Holland wegen seiner Krank-heit die Vorladung desselben aufhob, setzte doch der nachfolgendeGlaubcnsrichtcr einen neuen Termin an; derselbe sollte im Kranken-haus abgehalten werden, oder Geldorp sollte sich ins Agathakloster ineinem Tragstuhl bringen lassen. Hieraus konnte er wohl ersehen,daß das Aeußerstc beabsichtigt war; er mußte trotz sehr großer Lcibcs-schwächc zum drittenmal eiligst fliehen '), und so eilte er nach demHaag, wo er sich bei einem Handwerker verborgen hielt. Die Thor-wächtcr hatten wohl Befehl erhalten, den Ketzer, wenn er erschiene,gefangen zu nehmen — gleiche Briefe waren auch nach Amsterdamgegangen — jedoch er wurde nicht gefaßt; und als er wieder rcisc-fähig war, floh er nach Köln. Der Glaubcnsrichtcr aber that ihnin den Bann. Das geschah im Jahre 1558; Geldorp bezeugte auch
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Avcrdunk, Geschichte der Stüdt Duisburg. 44