g50 Z 69. Der Erbfolgestrcit III. 1629—1666.
zu Pferde von dem Krummen Schor im Cassclerfelde ab eiugeholet und in desreiitmeisters Wunder wohnbchausuug, woriuneu selbigen abends (sie) von dendeputirtcn Herren tractieret worden, einbegleitet wurden. Die Herren commissarie»und der secretarius Loosen saßen in einer gutschen mit 6 Pferden und hattenetliche Vorreiter; alles wegen absterbens der churfürstl. gemahlinnen in dasschwarz oder mit rauchkleidung angethan. Bei solchem einholen fanden sich anchbeide Herren bürgermeister ein und zwei älteste scheffcn mit der stadtgutschenfahrend und hielten in der Damstraßen an dem limirenstein (Grenzstein) stilleund prescntircten den Herren eommissarien der Pforten schlüssel und zogen darauffort zur Herberg. Der hiesige schnltheiß aber ritt zu pfert mit der gnadenleine,woran sich eine Mannsperson und zwei franen Hilten. ^) Bei dem einzugwurden die stücke von dem thurme gclöset, anch mit den glocken gelentct.Folgendes tags, am Mittwoche, leisen sich die Herren eommissarien nach der großenkirche zur predigt mit der gutschen bringen; nach gcendigter predigt fuhrenselbe wider nach der Herberg, von bannen sie über eine kleine weile von denHerren bürgermeistcrn Knmpsthoff und Schlegtendal und deputirtcn des rats anchmit ihren gutschen abgcholet und ans die rathsstube begleitet wurden; woselbstdie Herren eommissarien sich die letzte eonfirmation, von Herzog Wilhelm erteilet,und den scheffeneid vorlesen ließen. Und strack darauf folgete der Magistrat incorpore und sechzehner den Herren eommissarien vom rahthansc nach dem theatro,so unter der großen linden ans der Burg ziemlich weit aufgeschlagen und rings-herum!? mit schwarzem laken bekleidet gewesen. Und weilen der Magistrat vorhinangezciget, daß bei Herzogen Wilhelm zelten die bürgermeister zu feiten desHerzogs ans dem theatro gestanden und geschworen, nun aber der landesfürstnit gegenwertig und das werk per commissionem verrichtet werden solte, anchder Magistrat zu Wesel in corpore aufzustehen zugelassen worden, dahero an-snchnng gethan, sie beliebten E. E. Magistrat alhie desgleichen zu erlauben; wiedan nach gehabter vieler wvrtwechselnng geschehen (allein protestirlcn, so vielihnen die fache betreffe, vor nachteiliger conseqnenz); die sechzehner stunden untenans gefesteten Planken nmbher sampt die Predigers und denen nmbher die gemeinebürgere und eingesessene: der Herr von Huchtenbrnck thetc eine vration; nachcndignng derselben und abgelesenem rcversal sachten die Herren bUrgermeistcre,rath und scchzehncre, Predigers nnd ganze geineinte, anch geistliche ans denelvstern, item der schnltheiß, so mit ans dem theatro stunde, dem churfürstl.sekrctario den ganzen eit init ausgestreckten fingern nach nnd schlössen mit vivatBrandenburg, vivat Brandenburg! Wurde auch wiederum!' mit etlichen stücke»geschossen nnd mit der glocken geleutet; unterdessen Uesen sich die Herren eom-missarien und Herren depntati des raths wieder mit ihren gutschen nach derhcrberg führen, woselbst sie mit dein ganzen Magistrat, etliche benachbarte be-diente (Beamte), hiesige Predigers herrlich tractirct wurden; die sechzehnere wurdenin einem anderen gemach gastiret. Des dritten tagcs nahmen die Herren com-missarien nach gehaltener frühmahlzeit ihren abmarsch nnd wurden von denHerrn bürgernieistern nnd rathsdeputatis mit den gutschen durch junggcsellenund zwei andere companicn bürgere nnd denen zu pfert bis an die Effenberg»fehre begleitet. Diesen, den companien zu fnes, wurden 12 tonnen bier, jenenzu pfert aber ein ohm des besten Weins verehrt.
Die eidesformcl lautete: Wir bürgermeister, schefsen nnd rath nnd gemeine
'l Wer die Gnadenleine, die im Namen des Herrschers herabhing, ergriff,erhielt Begnadigung.