Der Graf zu Broich ermordet.
559
heran; und cr sah sich genötigt, Feuer zu geben. Da wurde dasSchloß aus Geschützen von den Feinden heftig beworfen und schonam Abend eine Bresche geschossen. Infolge dessen entschloß sich derGraf, am andern Morgen unter der Bedingung, daß Leib und Gutgewahrt werde und seine Soldaten mit der Wehr frei abziehen dürften,das Thor zu öffnen. Der kommandierende spanische Offizier be-stätigte diese Bedingungen durch Handschlag mit den Worten, crschwöre und gelobe, dies alles im Namen des Admirals treulich zuhalten. Als nun der Graf seine Leute persönlich aus dem Schloßbrachte, „wurden sie von den Spaniern angesprengt, gefangen genommen,die Schützen, bis in die vierzig, ans das nächste Ackerfeld geführt,allda sie nicht allein die Wehren von .sich legen, sondern sich auchnackend ausziehen mußten und sind mitgebracht, also daß nicht überzwei gerettet wurden. Jnmittclst rissen die Spanischen dem Grafendie Kleider vom Leibe, und cr wäre auch gleich mit den andern um-gebracht worden, da ihn nicht ein Kapitän von dem Kriegsvolk hin-wcggcführt und an einen besonder» Ort gebracht hätte. Der Grafward ans seinem Zimmer fleißig bewacht, und niemand der Scinigcnist zu ihm gelassen worden, nur sein Bctter der Herr von Harden-berg und ein Lcibjunge. Den 10. Oktober sind zwei Soldaten zumGrafen gekommen und gesagt, cr möchte nun wohl frei hinabgehen,so cr wollte. Darauf hat der Graf geantwortet, wenn es ohneGefahr sein könnte, auch sonst keine Nachdenken hätte, wollte er mitihnen einmal hinuntcrspaziercn. Also am Nachmittag hinunter gegangenund, weil cr von ihnen begleitet, sich keines Bösen besorgt. Auf demWeg aber spüret cr viel Schweiß und Blut von den Erschlagenen;darum (hat) der Graf zu seinem Leibjungen gesagt: Siehe, dies istunser Diener Blut; wenn sie dergleichen auch mit uns zu thunwillens, wäre es mir lieber heut als morgen. Als cr nun weiterbis an seine Mühle gegangen, die an der Ruhr liegt, ist cr miteiner Keule, andere sagen, mit einer Hellpartcn oder einem Stück voneinem Fcdcrspicß zur Erde geschlagen worden, alsbald durchstochen,auch bis ans den 12. Tag Oktobris daselbst nnbcgraben liegen ge-blieben, hernach in einem kleinen Hüttlein zu Asche verbrannt worden".')Das war der offenbare, auf Befehl des Obersten oder desObcranführcrs vollbrachte Meuchelmord. Das crgicbt sich auseinem Schreiben, das der Ädmirant zwei Tage darauf an die clcvischcnRäte sandte; in demselben heißt es: Das ganze Lager sei durch desGrafen barbarische Grausamkeit, Morden, Totschlagen angereizt und
') Keller II S. 59 f.