Druckschrift 
Geschichte der Stadt Duisburg bis zur endgültigen Vereinigung mit dem Hause Hohenzollern (1666) : mit einem alten Stadtplan
Entstehung
Seite
542
Einzelbild herunterladen
 

543

Z'^1. Die Gegenreformation,

Auch WM- das Gerücht verbreitet, daß dem Herzog und seinenKindern persönliche Gefahr von feiten Spaniens drohte. Eswurde daher der Herzog ermahnt, sich vorzusehen und nicht spätabends herumzureiten, besonders nicht an den Grenzen. Philippvon Spanien aber und Alba glaubten so sehr über alles, was inihren Landen oder deren Umgebung vorginge, Herr zu sein, daß siedarauf dachten, „den Herzog Wilhelm NM dessen Lcibcsunvcrmögen-hcit willen, da er zur Administration nicht mehr bequem und nütz-lich sei, in ihre Tutel aufzunehmen". Und ein erster Schritt dazugeschah, indem man im Frühjahr 1568 einen Gesandten zu bleiben-dem Aufenthalte nach Cleve schickte, um eine schärfere Kontrolle überdas Hofpcrsvunl auszuüben; was in jener Zeit, wo man an dendeutschen Höfen ständige Gesandten noch nicht kannte, ungeheuresAufsehen erregte.

Uebrigcns fanden die Gegner Philipps trotz alledem noch Unter-stützung in den clcvischcn Landen. So Oranicn im Jahre 1568,als er seinen ersten unglücklichen Einfall in die Niederlande unter-nahm. Er selbst war vor der Eröffnung des Fcldzuges Ende Aprilmit Freunden hier in der Stadt; um ihn und sich vor einem Ucbcr-fall zu sichern, hielten die Bürger Wache.') Der herzogliche Ge-sandte Masins mußte als Entschuldigung bei Alba angeben, dieStadt habe es nicht gewagt, einer gewissen Person (vielleicht ist derGraf von Mörs gemeint) etwas zu verweigern. Auch der zweiteebenfalls unglückliche Zug vom Jahre 1572 wird in unserer Stadt-rechnnng erwähnt. Damals zog das oranischc Heer unter demSchutze der freundlich gesinnten Stadt über den Rhein und dann durchdas Land des verbündeten Grafen von Mörs auf Benloc zu in dasHerzogtum Geldern. Am 4. Juni kam ein Gesandter des Prinzenvon Wesel hier an; am 14. Juli fand der Ucbcrgang über denRhein statt; es waren 1.4006 Fnßknechtc und 4000 Reiter.") DieStadt lieferte einige Dhm Bier, Brot nnd Käse an den Rhein.

Der Herzog wurde indessen schließlich durch politische Ucbcr-lcgnng, oder vielleicht richtiger gesagt, durch eigene Begehrlichkeitvöllig in das Geleise der katholischen Partei getrieben.

Es kam unter seiner Regierung mehrmals in Anregung, dasbenachbarte münstcrschc Bistum mit einem clcvischen Prinzen zubesetzen; früher war er derartigen Plänen entgegengetreten, weil erdie zu erwartenden Gegenforderungen nicht zu bewilligen gedachte.Als aber im Anfang der siebziger Jahre die Wahl eines Coadjntors

i) Stadtrechnung. 0 Wenzellmrger, Geschichte der Niederlande II S. M.