Clevische Zustände nach 1566. 541
Viel »ichr abcr als alle Künste der Ucbcrredung wirkte aufden so bcstiininbareii und kranken Fürsten das Eingreifen desStatthalters in den Niederlanden, des Herzogs Alba.
Alba war von 1567—72 Statthalter. Es ist bekannt, daßer gleich nach seiner Ankunft den Blntrat einsetzte und die GrafenEginond und Hoorne auf das Schaffst brachte; bei seinem Weg-gange soll er sich gerühmt haben, daß während seiner Statthalter-schaft in den Niederlanden 18660 Menschen auf seinen Befehl hin-gerichtet seien. Die Zahl ist übertrieben, abcr unerhört war dieMenge der Glanbcnsgcrichtc. Man brauchte bloß ein Heiligenbildschief anzusehen, sagte Wilhelm von Oranicn einmal, um des Todessicher zu sein. Es war dem Alba natürlich sehr zuwider, daß die nieder-ländischen Flüchtlinge in den Landen des Herzogs von Cleve Auf-nahme fanden, und daß dort der Protestantismus nicht nach seinerWeise mit Feuer und Schwert vertilgt wurde. Die clcvischcn Rätesuchten etwaigen Beschwerden zuvorzukommen und ließen den Pastorenund Prädikantcn alle Neuerungen in Rcligionssachcn anfs be-stimmteste untersagen und die niederländischen Flüchtlinge strengerüberwachen. Trotzdem erschien schon im September 1567 ein Ab-gesandter Albas, der den Herzog an die Bcnloer Versprechungen er-innerte, die doch durch den Passaucr Vertrag und den AugsbnrgcrRcligionsfricdcn aufgehoben waren, und die Vertreibung aller Flücht-linge und die Auslieferung einzelner besonders namhaft gemachterverlangte. Darunter war auch einer, der nach Duisburg gegangenund wahrscheinlich dort als Geistlicher nngcstcstcllt war. ZDer Herzog, dem das ganze Auftreten Albas innerlich sehr zu-wider war, verweigerte die Auslieferung dieses und der andern,sagte abcr Bestrafung je nach Befund der Sache zu. Daraufließ Alba am 14. Mai 1568 spanische Truppen in dasclevische Land einrücken und eine Anzahl herzoglicher Untcrthanenwegführen, um sie so lauge als Geiseln zu behalten, als der Herzogdie niederländischen Verbannten und Flüchtlinge in seinem Landebehalte. Ja, er sollte sich geäußert haben, erzählte man, er »verdedie Widersacher Spaniens nicht allein in des Herzogs Landen, sondernauch an dessen Hoflagcr, auch au des Fürsten Tafel verhaften undwegführen lassen. Und in der That erklärte der Rat Albas, Viglins,dein clcvischcn Gesandten Blasius: Wenn der Herzog die Auslieferunghartnäckig verweigere, so werde der König von Spanien seinen Feindenselbst nachtrachteu müssen, wo er derselben habhaft werden könne.
st Nergl. iiiiten Z 65 ». 9.