Dr. M. Luthers Sermon von Bereitung z. Sterben ?c. 211
glauben und an der leiblichen Geburt eines Kindes lernen, alsChristus sagt, Joh. >8, 21: Ein Weib, wenn es gebieret, soleidet es Angst; wenn sie aber genesen ist, so gedenckt sie derAngst nimmer, dieweil ein Mensch geboren ist in die Welt. Alsoim Sterben auch muß man sich der Angst erwegen und wissen,daß darnach ein grosser Raum und Freude seyn wird.
Zum vierten, solch Zurichten und Bereitung auf diese Fahrtstehet darinne: Zum ersten, daß man sich mit lauter Beicht(sonderlich der grössesten Stücke und die zur Zeit im Gedächtnißmöglich an Fleiß erfunden werden,) und des heiligen ChristlichenSacraments des heiligen wahren Leichnams und Bluts Christiversorge, desselben andachtig begehre und mit grosser Zuversichtempfahe, so man es haben mag; wo aber nicht, soll nichts destoweniger das Verlangen und Begierde desselben tröstlich seyn, undnicht darob zu sehr erschrecken; denn Christus spricht, Marc. 9,23: Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubet. Denn dieSacramenre auch anders nichts sind, denn Zeichen, die zum Glau-ben dienen und reihen, wie wir sehen werden, ohne welchenGlauben sie nichts nütze sind.
Zum fünften soll man je zusehen mit allem Ernst und Fleiß,daß man die heiligen Sacramente groß achte, sie in Ehren habe,sich frey und fröhlich darauf verlasse und sie gegen die Sünde,Tod und Hölle also wäre, daß sie weit über ausschlagen, auchvielmehr mit den Sacramenten und ihren Tugenden sich beküm-mere, denn mit den Sünden. Wie aber die Ehre recht gescheheund was die Tugenden sind, muß man wissen. Die Ehre ist,daß ich glaube, es sey wahr und geschehe mir, was die Sacra-msnta bedeuten, und alles, was Gott darinnen saget und anzei-get, daß man mit Marien, der Mutter Gottes, in vestem Glau-ben spreche, Luc. 1, 38: Mir geschehe nach deinen Worten undZeichen. Denn, dieweil daselbst Gott durch den Priester redetund zeichnet, möchte man Gott keine grössere Unehre in seinemWort und Wercke thun, denn zweifeln, ob es wahr sey, und keinegrössere Ehre thun, denn glauben, es sey wahr, und sich freydarauf verlassen.
Zum sechsten: Die Tugend der Sacramenten zu erkennen,muß man vorwissen die Untugend, dawider sie fechten und unsgegeben sind. Der sind drey: die erste, das erschreckliche Bilddes Todes; die andere, das greuliche, manchfaltige Bild der Sün-den; die dritte, das untrügliche, unvermeidliche Bild der Hollen
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