l42 Dr. M. Luthers einfältige Weise zu beten, :c.
Wie man einfälrig betrachten soll die zchen Gebore.
Wenn ich aber Zeit und Raum habe vor dem ?ater noster,so thue ich mit den Zehen Geboten auch also, und hole ein Stücknach dem andern, damit ich ja gantz ledig-werde (so viel es mög-lich ist) zum Gebet, und mache aus jeglichem Gebot ein gevier-tes oder ein vierfaches gedrehetes Kräntzlein. Als, ich nehme einjeglich Gebot an, zum 1. als eine Lehre, wie es denn an ihmselber ist, und dencke, was unser Herr Gott darinne so ernstlichvon mir fodert. Zum 2. mache ich eine Dancksagung draus,zum 3. eine Beicht, zum 4. ein Gebet, nemlich also, oder mitdergleichen Gedancken und Worten:
Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Egyptenland aus
dem Diensthause gesühret habe.
Das erste Gebor.
Du sollt nicht andere Götter habenneben mir rc.
Hie dencke ich erstlich, daß Gott von mir fodert und lehrethertzliche Zuversicht zu ihm in allen Sachen, und ist sein hoherErnst, daß er wolle mein Gott seyn. Und dafür soll ich ihn hal-ten, bey Verlust der ewigen Seligkeit, und daß mein Hertz sonstauf nichts solle bauen noch trauen, es sey Gut, Ehre, Weisheit,Gewalt, Heiligkeit, oder einige Ercatur. Zum andern dencke ichseiner grundlosen Barmhertzigkeit, daß er sich so vaterlich zu mirVerlornen Menschen herunter sencket, und sich selbst ungebeten,ungesucht, unverdienet mir anbeut, mein Gott zu seyn, sich meinanzunehmen, und in allen Nöthen mein Trost, Schutz, Hülfeund Starcke seyn will, so doch sonst wir arme, blinde Menschenso mancherley Götter gesucht haben und noch suchen müssen, woer sich nicht selbst so öffentlich hören liesse, und uns in unsrermenschlichen Sprache sich anböte, daß er unser Gott seyn wolle.Wer kann ihm dafür immer und ewiglich gnug dancken.
Zum dritten beichte und bekenne ich meine grosse Sündeund Undanckbarkeit, daß ich solche schöne Lehre und Gabe durchmein gantzes Leben so schandlich veracht, und mit unzahligenAbgötkereysn seinen Zorn so greulich gereiht habe, das ist mirleid und bitte um Gnade. Zum 4. bitte ich und spreche.- Ach,mein Gott und Herr, hilf mir durch deine Gnade, daß ich solchdein Gebot möge taglich je besser lernen und verstehen und mit