Druckschrift 
4 (1827)
Entstehung
Seite
251
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Der ein und fünfzigste Pfalm.

nun von Sünden wollen frey und los werden, die müssen durchBekenntniß ihrer Sünden zu dem gerechten Gott allein Zufluchthaben und, wie David hier thut, seine Barmhertzigkeit von Her-tzen begehren.

V. 5. Siehe, ich bin aus sündlichem Saamsn gezeuget, undmeine Mutter hat mich in Sünden empfangen.

Hier sähet er an, von der Wurtzel und Ursprung der Sündezu reden und anzuzeigen, was die Ursache sen, darum er seineSünde bekenne und die Barmhertzigkeit Gottes begehre. Dasist die Ursache, spricht er, daß ich aus sündlichem Saamen gezeu-aet bin. Wie hatte er doch können klarer und verstandiger reden?Er spricht nicht, darum erkenne ich meine Sünde und begehreGnade, daß ich in Ehebruch gefallen bin, daß ich habe Uriam er-schlagen lassen, sondern er begreiffet hier die gantze menschliche,sündliche Natur, und wendet die Ursache vor dieses seines Gebets,daß er aus sündlichem Saamen gezeuget sey. Denn er redethier nicht von etlichen bösen ausserlichen Thaten oder Wercken,die er begangen habe, sondern von der Materie, daraus er ge-macht ist, und spricht- Der menschliche Saamen, das ist, derSaamen, daraus ich gezeuget bin, der ist gar durch die Sündeverderbet; der Thon oder der Lehm, daraus der Topf, das Ge-fäß gemacht ist, taugt gar nichts und ist verdammt. Was sollich mehr bekennen? Also bin ich, also sind alle Menschen. DieEmpfangniß, das Wachsen und Zunehmen des Menschen, so inMutterleibe und noch nicht geboren ist, ebe wir rechte Menschensind, das ist allzumal Sünde. Dieser Artickel von der Erbsündeist der fürnehmsten Artickel einer, davon die menschliche Vernunftnichts weiß. Man lernet ihn aber, wie alle andere, aus demGesetz und Zusagung Gottes. Unter allen Aposteln aber hat derheilige Paulus diesen Artickel vor denen andern mit grossem Ernstund reichlich gelehret und gehandelt, und ist vielleicht möglich, daßdie andern Apostel diesen Artickel darum übergangen, daß dieseLehre von den Vätern auf die Nachkommen und also für und für,von einem Kinde aufs andere, geerbet und stets getrieben ist. Mosesgedencket dieses Artickels auch in seinem Gebet, Psalm 90, 8, daer also spricht: Unsere Missechat stellest du vor dich, unsere un-erkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. Da zeiget erklarlich an, daß wir Gattes Zorn und dem Tode unterworfensind, welcher Zorn uns, die wir solches wissen (die Ruchlosenkümmern sich nichts darum), desto grösser und hefftiger wird,weil unsere Sünden Gott bekannt sind und vor seinem Angesicht