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Der vierzehnte Psalm.
Es ist aber dieser Psalm genommen aus dem 6. Capiteldes 1. Buch Mösls, V. 12, alwo mit gleichen Worten gesagtwird, die Erde sey verderbet worden von denen Menschenkindern,und der Herr habe geschauet auf die Menschenkinder und auf ihreBosheit, welche daselbst Chamas im Ebräifchen genennet wirdund so viel bedeutet, als es habe dazumal Unrecht, Gewalt, Un-terdrückung überhand genommen, welches er hier Heisset, das ge-meine Volck auffressen.
Der Prophet handelt also in diesem Psalm nicht von derVerfolgung derer Frommen, noch von denen falschen Lehrern;sondern sein Absehen ist, die Sitten und den Lebenswandel dererSünder, oder des bösen Geschlechts, zu beschreiben und zu zeigen,nemlich, daß alle Menschen Sünder und böse sepn, die da ausserder Gnade leben, als welche in lauter Hochmuth, Geilheit, Rau-beret), Betrügerep, Mord und Todtschlag, und dergleichen Sün-den leben, ob sie sich gleich bemühen, dieses alles zu beschönigen,oder nachlassig sepn, es zu erkennen. Und in dieser Absicht füh-ret Paulus gegenwartigen Psalm zu den Röm. am 3. Cap., V.10, an. Das erste Uebcl, oder der erste Brunnquell allesUebels ist, Gott nicht kennen. Denn wer wider das erste Gebotsündiget, der übertrit die andern alle. Da nun aber an dem er-sten Gebote alle Gebote hangen und nach selbigem, als nach einerRegel und Richtschnur, eingerichtet und ausgeübet werden; hier-nachst auch kein ander Gebot aus mehrere Art und Weise undvon mehrern Menschen übertreten werde: so kann man darausschon leichte abnehmen, wie wenig Fromme sepn, und daß unterdenen Menschenkindern nicht einer sey, der Gutes thue. Dieseshaben jene damals gethan, und heut zu Tage thun eben das nochalle diejenigen, welche das Wort Gottes nicht verstehen, und esdahero lästern und denen Teufeln zuschreiben; hingegen aber das,was ihnen gefallt, es sepn Worte oder Wercke, und wenn es auchder Teufel selbst sollte eingegeben haben, Gott beymessen, welchesUebe! vor allen andern sehr gemein ist.
- Also redet hier der Prophet im Geiste, stehet keine äusserlichePerson an, gehet auf den Grund der Nieren und Hertzen undspricht: Der Thore spricht: Es ist kein Gott; nicht mit demMunde, Geberden, Gepränge, und sonst äusserlich, als durchwelche Stücke er sich von denen wahren Liehabern Gottes rühmet,daß er Gott kenne, sondern im Hertzen, das ist in seinen inner-lichen Begierden. Diese sind bey den Gottlosen verblendet, unddarauf folget alsbald die Blindheit des Verstandes, daß er weder