Druckschrift 
4 (1827)
Entstehung
Seite
69
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Jesaia 40. bU

lassen, sondern dieselbe getrost und frei) lehren sollen. Darnachhandelt er wider die Ketzer, so diese Lehre anfechten. So beste-het nun dieses folgende Stück dieses Capitels in einer Verwöh-nung der Seinen und in einer Widerlegung der Widersacher.Er nennet Zion (das ist die gantze Kirche der Glaubigen), einePredigerin. Denn alle, die zum Evangelio beruffen sind, sindEvangelisten. Und es sind anjetzo nicht gewisse Familien zum Lehr-amte des Evangelii bestimmet, gleichwie bey dem Gesetze die Ver-waltung des priesterlichen Amtes bey dem einzigen Stamme Levistund, sondern es können zum Lehramte des Evangelii Leute vonallen Standen beruffen werden. Weil aber dock alles in der Kirchesoll ordentlich zugehen, so dürfen nicht alle ohne Unterschied leh-ren, sondern nur die zum Lehren beruffen sind. Also beziehet sichder Unterschied zwischen Geistlichen und Weltlichen nur alleinaufs Amt, nicht aber aufs Recht. Ferner, so unterscheidet erdurch diesen Namen die Kirche von dem erster» Jerusalem, wel-ches eine Schülerin des Gesetzes gewesen ist. Das neue Jerusa-lem soll eine Lehrmeisterin des Evangelii seyn; sie soll anderedas Gesetz lehren, nicht lernen. Das ist metaphorisch geredt:Steige auf einen hohen Berg; als wollte er sagen.- Trit hervor,Hede das Haupt empor, erhebe dich in die Höhe. Denn der Satanund die Welt wollen dich unterdrücken; aber predige du dasEvangelium bestandig.

V. 10. Denn siehe, der Herr, Herr kömmt gewaltiglich undsein Arm wird herrschen.

Das ist ein trefflicher Trost, mit welchem er die gedemü-thigten Prediger des Worts, die die allergeringsten, verachtetstenund schwächsten sind, aufrichtet. Petrus mußte erst Christum ver-leugnen und die übrigen Apostel erst von Christo fliehen, ehe siedas Evangelium predigten. Also hat Paulus erstlich die KircheGottes verfolget. Gott aber hat deßwegen verachtete und schwacheMenschen zu diesem Dienste des Worts erwählet, damit die gött-liche Kraft des Worts an Tag käme, daß sie auch in den schwäch-sten Personen nicht könne unterdrücket werden, und wenn dasEvangelium von den Mächtigen der Welt geprediget würde, sowürden sich die Menschen mehr durch das Ansehen der Person,als durchs Wort selbst einnehmen lassen. Derowegen wird dasWort eben durch die Weise, durch welche die Weisen der Weltmeynen, daß es wegen der Schwachheit seiner Diener verachtetwerde, vielmehr gepriesen, als dessen Kraft sich am allermeistendadurch äussert, daß es, wiewohl es durch verächtliche Personen