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auch äußerlich ehrbar leben müssen. Hier muß eine andere Ge-rechtigkeit, nicht die Christliche, sondern die politische gezogenwerden. Aber zur Christlichen Gerechtigkeit tragt sie nichts mehrbep, als essen, trincken, schlafen zc. Wenn nun die guten Werckeverdammet werden, so werden sie also verdammet, als die da zurChristlichen Gerechtigkeit unnütze sind. Denn der Sieg über Todund Hölle, die Vergebung der Sünde und die Gerechtigkeit sindweit wichtigere Dinge, als daß unsere guten Wercke etwas darzusollten beytragen können. Es ist eine Gnade, und zwar GottesGnade, welcher die Schätze in Christo allein aus Gnaden undumsonst den Glaubigen schencket.
V. 8. Das Heu verdorret, die Blume verwelcket; aber dasWort unsers Gottes bleibet ewiglich.
Das ist ein trefflicher Spruch, den man an alle Wändeschreiben sollte. Das Wort des Herrn wird allein bleiben; wasüber und ausser dem Worte Gottes ist, das wird, wie eine Blumeauf dem Felde, vergehen. Hier mache dir ein Register von allenWercken, welche im Papstthum ohne das Wort Gottes geschehen.Die Mönchsorden, die Messe, die Kutte, die Genugtbuung,die Wallfahrten, der Ablaß w., sind nicht Gottes Wort; folglichwerden sie vergehen. Das Wort aber Gottes, und alle, die "demWorte gläuben, werden bleiben in Ewigkeit. Ferner ist es schwerzu glauben, daß diese schwache Stimme, dieses Athemholen, blei-ben und uns erhalten soll in Ewigkeit, da so viele und so sehrscheinbare Wercke und Gerechtigkeiten verdorren.
V. 9. Zion, du Predigerin, steige auf einen hohen Berg. Je-rusalem, du Predigerin, hebe deine Stimme auf mitMacht, hebe auf, und fürchte dich nicht. Sage denenStädten Juda: Siehe, da ist euer Gott.
Ein Prediger hat eine doppelte Pflicht, welche bestehet, inLehren und Vermahnen. Bisher hat er gelehret und gesagt,alles Fleisch sey Heu, und allein das Wort des Herrn bleibe be-standig, welches die Endigung der Ritterschaft und Zwicfaltigesvon der Hand des Herrn mit sich bringe, nemlich die Gerechtig-keit anstatt der Sünde, und das Leben anstatt des Todes. Weilaber diese Lehre ohne Versuchung nicht kann erhalten werden,denn der Satan sucht sie zu unterdrücken und erwecket Tyrannenund Ketzereyen darwider.- derowegen wendet sich der Prophet wi-der die Versuchung zum andern Stück, und vermahnet die Glau-bigen, daß sie im Glauben starck seyn und sich die Lehre desEvangelii weder durch Gewalt, noch List aus den Händen reisten