Druckschrift 
4 (1827)
Entstehung
Seite
66
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66 Zesaia 40.

Heu verdorret, die Blume verwelcket; denn des Herrn

Geist bläst drein. Ja, das Volck ist das Heu.

Der Prophet fahret fort, das Amt des Worts zu erheben-,es werde nemlich geschehen, daß zu der Zeit, da die Gerechtigkeitder Gnade wird geprediget werden, auch dieses geprediget werde,was da folget: Alles Fleisch ist Heu w. Aber hier möchte sich je-mand wundern, was der Prophet mit diesem Gespräche habenwolle; nemlich dieses, daß er hat wollen zeigen, was Predigenvor ein schweres Amt sey. Denn das Wort Gottes predigen, istnichts anders, als die Wuth der gantzen Hölle und des Satans,hernach aller Heiligen in der Welt und alle Macht der Welt aufsich laden. Es ist aber die aller gefährlichste Lebensart, sich sovielen Zähnen des Satans vorwerfen. Welches eben der Pro-phet mit diesem Gespräche hat erinnern wollen.

Alles Fleisch ist Heu.

Dieser Text ist durch Hieronymum und die (so genannte)viatriken (des Erasmi von Rotterdam) schändlich zerrissen wor-den. Allein der Heilige Geist redet nicht so unverständig, wiesie meynen. Er spricht: Alles Fleisch; folglich nimmt er nichtsaus, und setzt hinzu: ist Heu. Dieses aber wäre noch leidlich,wenn er nicht darzu setzte: es wäre Heu, das da verdorren undabgehauen werden soll, als das zu nichts nütze ist. Ferner, sobedeutet Fleisch den gantzen Menschen, sammt Vernunft undallen natürlichen Gaben. Denn also erkläret sich der Prophetselbst, wenn er hinzusetzt: Das Volck ist das Heu. Denn eswäre das Volck nicht, wenn es nicht Vernunft, Religion undGerechtigkeit, in Ansehung sowohl des Police»)-, als Ceremonial-gesetzes, hätte. Derowegen verfälschen diejenigen den Text, dieallhier eine Synecdochen, oder daß ein Theil für das Gantze ge-setzt werde, dichten. Denn wer da spricht: alles, der nimmtnickts aus, er nimmt nicht das heilige Volck der Jüden, nichtdie Weisheit der Griechen, nicht die Policeyordnung aus; sonderner macht schlechterdings einen Gegensatz zwischen dem Geist unddem Fleisch, und macht den Schluß: Was nicht vom HeiligenGeist getrieben wird, ob es gleich dem Schein nach noch so gut,gerecht und heilig ist, das ist Fleisch. Aber, wie gesagt, eine solchePredigt ist gefährlich. Denn wer wollte sich unterstehen, alleGerechtigkeit des Pabstthums, alle guten Wercke Bernhardi, Augu-stini und anderer grossen Männer, Fleisch und dürres Heu zunennen? Und doch sind sie wahrhaftig Fleisch und Heu, wenn