Druckschrift 
4 (1827)
Entstehung
Seite
57
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Jesaia 35. 57

Das ist, sie werden in der höchsten Freyheit und Sicherheitleben. Denn die Christum recht verstehen, die wird keine Men-schensatzung gefangen nehmen können. Sie sind frey, nicht nachdem Fleisch, sondern nach dem Gewissen. Derowegen kann keinGesetz, und nicht einmal das göttliche Gesetz, von den Glaubigenein einziges Werck als nöthig zur Seligkeit fordern. Denn wennderGlaube an Christum gerecht macht, so folget, daß keine Werckedes Gesetzes gerecht machen; folglich, so wird uns auch das Ge-setz nicht anklagen, wenn etwas von uns unterlassen, oder dar-> wieder begangen worden ist. Diese Freyheit beruhet im Gewissen;der Leib aber und unser alter Mensch ist allen Gesetzen unterwor-fen. So ist demnach ein flechsiger Unterschied zu machen zwischender Gerechtigkeit des Glaubens, welche frey ist und keinem Titelvom Gesetze dienstbar ist, und zwischen der Gerechtigkeit derWercke, welche allen dienet. Und diese Freyheit hat niemand,als die Erlösten des Herrn, die sich nicht selbst erlöset haben, son-dern mit dem Lösegeld des Herrn erlöst sind, da sie unter dieSünde verkauft und dem Tode übergeben waren, wie auch Pe-trus saget: Ihr seyd erlöset mit dem theuren Blute Jesu, 1.Petr. 1, 19, nicht durch unsere Gerechtigkeit, oder durch unsereVerdienste. Wenn sie nun also werden erlöset und erkaust seyn,so werden sie umkehren von der Sünde, vom Gesetz und vomTode, gen Zion, mit immerwährendem Lobe und Freude, dieüber ihrem Haupte seyn werden. Daher haben die RedensartenPauli ihren Ursprung genommen: Freuet euch, und abermalsage ich, freuet euch, Phil. 4, 4. Angleichen: Die Frucht desGeistes ist Freude, Friede ec. Gal. 5, 22. Die nun betrübt sind,haben entweder gar keinen Glauben, oder sind schwach im Glau-ben. Denn im Glauben fangt sich hier das ewige Leben an,welches wir vollkommen empfinden werden, wenn diese gegen-wartige Natur wird aufgehoben seyn. Amen.