lk Jesaia 9.
das ist eine völlige Herrschast, desgleichen einen Stecken oderZepter des Treibers. Denn das Gesetz fordert von uns, daß wirdas Gesetz erfüllen sollen, und herrschet über uns, weil niemandist, der das Gesetz thue; sondern wir alle hassen, wegen der an-gebornen Sünde, das Wort und die Wercke Gottes, ja auchGott selbst, wenn er uns züchtigt, gleichwie auch die Knaben,wenn sie gezüchtiget werden, ihre Eltern hassen. Wir sind alsoalle Feinde des Gesetzes, und wünschten, daß das Gesetz nichtwäre. Aber das Gesetz kann nicht aufgehoben werden, auf wel- ,ches der andere Tyrann? folget, von dem wir im vorhergehendengesagt haben, nemlich die Sünde. Denn weil ich meine Elternhasse, weil ich Gott und das Gesetz Gottes hasse, daher sündigeich. Also treiben uns diese zwey Tyrannen auf eine tyrannischeWeise dahin, wohin wir nicht wollen, noch können, nemlich zumTode. Wey so großen Tyrannen aber kann kein Vergnügen ei-nige Statt finden; und weil man alle Augenblicke das Todesur-theil gewärtig ist, so kann das Gemüthe nicht lange in solchemZustande bleiben, sondern es ist vonnöthen, daß es eine andereund neue Ereatur werde, oder unter der Last unterliege. Dennauch die Vernunft kann die Gewalt des göttlichen Gerichts nichtertragen. Daher kömmt es nun, daß der Prophet sagt: Sicwerden sich vor dir freuen, weil uns das Evangelium Vergebungder Sünden und den Sieg über das Gesetz und den Tod, sodurch Christum erworben, ankündiget, welchen der Prophet mitdem Siege Gideons vergleichet. Denn Christus gibt seinen Geist,daß wir in Sünden nicht verzweifeln und in Trübsalen rühmen,daß das Amt des Gesetzes unkräftig sey, und das Gesetz, welchesbisher verhaßt und ein grausamer Treiber gewesen, lieblich wer-de. Nicht, daß das Gesetz verändert sey, sondern daß wir durchden Geist Gottes verändert seyn, welcher macht, daß wir denVater, der da züchtiget, lieben. Denn die Ruche ist nicht ver-ändert worden, sondern der Sinn des Knabens. Und dieses istdie christliche Freyheit, nach welcher wir von dem Zepter desTreibers befreyet werden und nach welcher der Heilige Geist ge-schencket wird, daß wir dem Gesetze in einigen Stücken gnugthun; wo wir ihm aber nicht Gnüge leisten, daß er uns deßwe-gen nicht zu Schuldnern mache, weil wir Vergebung der Sün-den haben. Mir dem Gesetze aber wird auch zugleich der Todüberwunden und höret auf. Also werden die Herzen erfreuetund von der Furcht vor den Tyrannen befreyet, die sie erduldenmußten, ehe denn sie Christum erkannten. Es geschieht aber