Luthers Erklärung einiger Capitel aus den
Prop Helen.
^er fürnehmste Jnnhalt aller Propheten ist dieser, daß sie ihrdamaliges Volk auf den zukünftigen Christum vertrösten. Gleich-wie wir auch an Mose sehen, welcher, ob er wohl fürnemlich dasGesetz aufzurichten und zu lehren scheinet, dennoch hierunter im-mer mit auf Christum weiset, gleichwie wir deutlich aus derStelle im 5. B. Mösts 18, 15. sehen: Einen Propheten, wiemich, wird der Herr, dein Gott, dir erwecken aus dir und ausdeinen Brüdern, dem sollet ihr gehorchen. Gleichwie auch wirheut zu Tage zu thun pflegen; was wir lehren, ordnen und se-tzen, das geschieht alles zu dem Ende, daß die Frommen auf dieZukunft ihres Heilandes am Jüngsten Tage warten sollen. Unddas ist die Ursache, warum die Apostel so sehr auf die Erwartungder andern Zukunft dringen, Tit. 2, 13. Ebr. 12, 23. und anandern Orten mehr. Wer also dieser Weise folget, der wirdbeym Lesen und Predigen nicht irren. Derohalben muß mandie Propheten also lesen und abhandeln, daß sie das Volk aufden zukünftigen Christum bereiten. Denn obwohl der größteTheil in den Propheten von dem leiblichen Reiche redet, so kom-men sie doch hier und dar kürtzlich und geschwind auf das ReichChristi, oder zielen heimlicher Weise auf dasselbe. Absonderlichaber handelt Jesaias öfters von dieser Materie, ob er wohl vielesvon seinem damaligen Volcke und leiblichen Reiche redet. Dasist, was Petrus sagt, 1. Epist. 1, 10: Nach welcher Seligkeithaben gesucht und geforschet die Propheten, die von der zukünf-tigen Gnade auf uns geweissaget haben.