Daß man die Kinder zur Schule halten soll. 237
der höchsten Tugend eine seyn auf Erden, fremden Leuten ihreKinder treulich ziehen, welches gar wenig und schier niemand thutan seinen eigenen.
Daß aber die Aerzte Herren sind, das flehet man vor Augenwohl, und daß man ihr auch nicht entbehren kann, lehret die Er-fahrung wohl; daß es aber der Welt ein nützlicher, tröstlicher, heil-samer Stand, dazu ein angenehmer Gottesdienst sey, von Gott ge-schaffen und gestisstet, gibt nicht allein das an ihm selber, sondernzeugt auch die Schrifft, Sir. 38, 1., da schier ein gantz Capitel vonden Aertzten daher rühmet und spricht: Du sollt den Artzt ehren,denn man kann sein nicht entrathen, und Gott hat ihn gestisstet;denn alle Artzeney ist von Gott. Die Kunst des Artzts bringt ihnzu Ehren, und er wird vor den grossen Herren Werth gehalten.Gott hat die Artzeney aus der Erden geschassen, und kein vernünf-tiger Mensch ist, der sie verachtet. Denn gleichwie zur Zeit Möstsdas bittere Wasser vom Holtz süße ward; also hat er wollen auchhierinnen den Menschen kund thun, was Artzeney vermag, und hatsolche Kunst darum auch den Menschen gegeben, daß man seineWunder preisen solle. Denn hiemit kann der Artzt allerley Schmer-tzen lindern, und viel süsser, guter Eonfecte machen, und Salbenzurichten, davon die Krancken gesund werden; Und solcher seinerWerste ist keine Zahl lt. Wolan, es ist mir jetzt zu viel, die Pre-diger können alle diese Stücke wol reichlicher ausstreichen, und denLeuten einbilden, was Schadens und Nutzens sie hier schassen kön-nen der gantzen Welt und unfern Nachkommen, besser, denn ichsschreiben kann.
Ich wills hier lassen bleiben, und einem jeglichen, der hierzuhelfen kann, treulich vermahnet und gebeten haben. Denn gedenckedoch selbst, wie viel Güter dein Gott dir umsonst gegeben, und nochtaglich gibt, nemlich Leib und Seele, Haus, Hof, Weib und Kind,dazu weltlichen Frieden, Dienst und Brauch aller seiner Ereaturenim Himmel und Erden; über das alles auch das Evangelium undPredigtamt, Taufe, Sacrament und den gantzen Schatz seinesSohnes und seines Geistes, nicht allein ohne dein Verdienst, son-dern auch ohne deine Kost und Mühe. Denn du darfst jetzt wederSchulen noch Pfarren ernähren, wie du doch nach dem EvangelioWohl schuldig wärest, und du solltest noch ein solcher verfluchter, un-danckbarer Schelm seytt, daß du nicht wolltest ein Kind dahergehen,das zu solchen Gaben Gottes zu erhalten erzogen würde; alles undalles umsonst haben, und nicht ein Tröpflein Danck erzeigen, son-dern Gottes Reich und der Seelen Heil lassen untergehen, und Hel-sen zu boden flössen.
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