82
Bon guten Wercken.
wenn wir gleich alles thaten, was wir konnten und schuldig sind, sosind wir doch unnütze Knechte, Luc. 17, 10.
Verdienst ist ein Werck, sprach D. M. Luther, um welcheswillen Christus Belohnung giebt. Es ist aber nirgend ein solchWerck zu finden, denn Christus giebts aus Verheifsung. Gleichwenn ein Fürst oder Herr zu mir spräche: Komm zu mir aufsSchloß, ich will dir hundert Gülden geben w., da thue ich einWerck, indem ich aufs Schloß gehe; aber doch das Geschenck wirdmir nicht gegeben um meines Wercks und Gehens willen, sonderndarum, daß mirs der Fürst oder Herr verheissen und versprochen hat.
Der Welt Bosheit und Muthwille ist groß unter dem Evan-gelio; aber Christus sagt nicht vergebens, Joh. 8, 11: Gehe hinund sündige nicht mehr. Er fordert erstlich und will haben, daßman glauben und sich verlassen soll auf seinen Gehorsam und Ge-nugthuung. Zum andern, daß man das Leben bessere; denn nie-mand kann noch soll absolviret werden, er verheisse denn, er wollesich bessern. Welches zwar nicht gerecht macht vor Gott, sondernmachet, daß wir nicht aus der Kirche geworfen werden.
Doctor M. Luther ist einmal mit D. Jonas, M. Veit Die-trich und andern seinen Tischgesellen spazieren zum Jessen ins Stadt-lein gefahren; daselbst gab D. M. Luther Almosen den Armen.Da gab D. Jonas ihnen auch und sprach: Wer weiß, wo mirsGott wieder bescheret. Darauf sagte D. M. Luther lachend: Gleichals hatte es euch Gott nicht zuvor gegeben; frey, einfaltig soll mangeben, aus lauter Liebe, willig.
Anno 39, den 21. Januarii fragte ein Engelander, D. An-tonius Barns, D. M. Luther: Ob auch die Christen und Gottse-lige, so nun gerecht waren durch den Glauben an Christum, umder folgenden Wercke willen etwas verdieneten? Denn solche Fragewäre in Engeland sehr gemein. Antwortete D. M. Luther: Zumersten sott man das wissen, daß wir noch Sünder sind, nachdemwir nun schon gerecht sind, wie wir glauben und beten um Ver-gebung der Sünde in diesem Leben: Vergieb uns unsere Schuld;und Psalm 32, 6.: Dafür werden dich alle Heiligen bitten ec-Diese Meinung und Sententz ist gewiß, daß wir alle Sünder sind,und leben unter der Gnade und der Sünden Vergebung.
Zum andern verheisset Gott Vergeltung und Belohnung denen,