Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
75
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Der Glaube an Christum machet allein vor Gott gerecht. 75

gleichwie die weiße Farbe eine Wand weiß, und das Feuer oder dieHitze das Wasser heiß machet.

Der Glaube ist ein hohes Ding, das zeiget der Psalter feinan. Ich weiß, daß mein Glaube stehet, wie ein Peltz auf seinenCrmeln, wenn er auf meinen Wercken sollte stehen; aber auf Got-tes Wort, da stehet er veste, wie schwach er auch ist; das ist gewißund fehlet nicht. Aber die Kirche und ihr Glaube stehet bey unsund die thun viel. Ihr Varer Unser und der Glaube ist ein großDing wider den Teufel. Mein Lenichen und Hanschen beten auchfür mich und viele Christen.

Der Glaube des Creutzes, der thuts; denn der Glaube kannohne Creutz nicht seyn, noch bestehen. Wenn einem aber dasWasser über die Körbe gehet, so stehet er, was der Glaube vermagund was er ist. Nicht eine Speculation und erdichteter Gedancke,sondern eine gewisse Zuversicht des Hertzens zu Gott, die rechtschaffenund des Heiligen Geistes eigen Werck ist.

Wenn ich so viel Glauben hatte, wie ich wol haben sollte,wollte ich langst den Türcken erschlagen und die Tyrannen kürre ge-macht haben. Ich habe mich wol also mit ihnen zuplaget, aber esfehlet mir am Glauben. Doch ist ein schwacher Glaube auch einGlaube; denn Gott spricht: Laß dir gnügen an meiner Gnade; dennin Schwachheit bin ich starck. 2 Cor. 12, 9.

Die Vernunft halt die Artickel unsers Christlichen Glaubensfür eitel Thorheit, 2. Cor- 2, 23., und meynet, es sey ein solchDing, deß sich einer bereden laßt, als sey es also, da es doch nichtsist. Darum ists vonnöthen, daß man sich allein ans Wort vestehalte, was uns Gott in demselben anzeiget und sagt, der wird undkann je nicht lügen noch betrügen, Vernunft gebe für, was sie wolle.Vor dreyen Jahren war ein Mönch aus Mohrenland bey uns, mitwelchem wir durch einen Dolmetscher disputireten, und da er inallen Artickeln mit Gottes Wort beschlossen war, sagte er: Das istein gut Lrecko, das ist Glaube.

Alles was in der gantzen Welt geschieht, das geschieht in Hoff-nung. Kein Ackermann saete ein Körnlein aus, wenn er nichtHoffete, es sollte aufgehen und Saat daraus werden. Kein jungerGesell nähme ein Weib, wenn er nicht hostete, Kinder mit ihr zu