Woin Gesetz und Evangelio, 69
und fassen wir mit dem Glauben; denn Gott wirckt durchs Wortund die Sacramente.
Wolcken ohne Regen sind wie das Gesetz und seine Gerechtig-keit, welches wol die Seligkeit verheisset, aber giebt keine Seligkeit,kanns auch nicht geben, denn es ist darum nicht gegeben. Wie St.Paums zu den Galat. 3, 2 t. sagt: Wenn ein Gesetz gegeben wäre,das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaf-tig aus dem Gesetz w. Darum ist das Gesetz nichts anders, denneine solche Wolcke, die sich wcl stellet, als wollte sie Regen geben,giebt aber keinen.
Eine Lögen ist wie ein Schneeball, je langer man ihn waltzet,je grösser er wird.
Das Evangelium ist wie ein frisches, sanftes, kühles Lustleinin der grossen Hitze des Sommers, das ist ein Trost in der Angstdes Gewissens; nicht im Winter, wenn sonst Kalte genug vorhandenist, das ist, zur Zeit des Friedens, wenn die Leute sicher sind, undmeyuen sich selbst mit ihren Wercken vor Gott gerecht und selig zumachen, sondern in der größten Hitze im Sommer, das ist, in denen,die da recht fühlen das Schrecken und Angst des Gewissens, GottesZorn wider die Sünde und ihre Schwachheit.
Diese Hitze aber wird gemacht durch die Sonne; also soll dasSchrecken des Gewissens geschehen und zugerichtet werden durch diePredigt des Gesetzes, daß man bedencke und betrachte, man habeGottes und nicht Menschen Gesetz übertreten und dawider gethan.Also ist auch das himmlische Lüftlein, das die Gewissen soll wiederansuchten, erquicken und trösten, nicht mit Trost einiger menschlichenVerdienste und Wercke, sondern durch die Predigt des Evangelii.
Wenn aber nun die Kräfte wieder also erquicket und getröstetsind durchs Lüftlein des Evangelii, so sollen wir nicht müßig seyn,liegen und schnarchen; das ist, wenn unser Gewissen nun zufriedenist, gestillet und getröstet worden von Gottes Geist, so sollen wirauch den Glauben beweisen mit guten Wercken, die Gott in denZehen Geboten befohlen und geboten hat. Wir werden aber vexirtund geplaget von Mücken, Fliegen und Ungeziefer w., das ist, vomTeufel, Welt und unserm eigenen Fleisch, aber da muß man hin-durch reisten und sichs nicht irren lassen.
Mosen mit seinem Gesetz, sprach v. Martinus, will ich nicht