Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

3«

Von der Dreyeinigkeit.

nunft und Verstand übertrifft, nemlich daß eins drey und drey einssey, welches kein Rechenmeister, Philosophus, Jurist, Jude, Türckefassen, noch begreiffen kann. So thut auch das Glcichniß vom leib-lichen Vater und Sohn wenig zur Sache, denn es ist ein sehr schwachBild oder Gleichniß, in welchem nur der Unterschied der zweyen Per-sonen angezeiget wird; nemlich, daß diese zwo Personen ein unzer-trennet Wesen sind, das kann keine Creatur begreiffen, noch an-zeigen.

Ob nun solcher Artickel narrisch scheinet, was liegt daran?Denn es gilt hier nicht Disputirens, ob es wahr sey, sondern, ob sol-ches in Gottes Wort gegründet sey. Jsts Gottes Wort, wie esdenn gewiß ist, so zweifele gar nicht daran, er wird dir nicht lügen.Darum bleibe dabey und disputire nicht viel, wie Vater, Sohn undHeiliger Geist können ein Gott seyn. Kannst du doch, du armerMensch, wenn du gleich aller Weltweisen Kunst zu Hülfe nimmest,nicht wissen, wie es zugehet, daß du lachest und mit deinen Augenüber zehen Meilen Weges einen hohen Berg stehest. Oder, wenndu schlafest, wie es zugehe, daß du dem Leibe nach todt bist, unddoch lebest. Wir können das geringste Ding von uns selbst nichtwissen, und wollen doch (ins Teufels Namen) hinauf mit unsererVernunft klettern und Gott in seiner Majestät eigentlich fassen undausspeculiren, was er sey.

In allen Creaturen ist und stehet man Anzeigung der HeiligenDreyfaltigkeit. Erstlich, das Wesen bedeutet die Allmacht Gottes, desVaters, zum andern, die Gestalt und Form zeiget an die Weisheitdes Sohnes, und zum dritten, der Nutz und Kraft ist ein Zeichendes Heiligen Geistes. Daß also Gott gegenwärtig ist in allen Crea-turen, auch im geringsten Blätlein oder Monkörnlein.

Im Evangelio Joh. 3, 16. wird fein und eigentlich der Unter-schied der Personen angezeiget, in dem höhestcn und größten Werck,das Gott mit uns armen Menschen handelt, daß er uns gerecht undselig macht. Denn da stehet klar vom Vater, daß er die Welt ge-liebet und ihr seinen eingebornen Sohn geschenckt habe. Das sindzwo unterschiedliche Personen, Vater und Sohn. Der Vater liebetdie Welt und schencket ihr den Sohn. Der Sohn lasset sich derWelt schencken, und wie Christus klar sagt V. 14., lasset er sich, wiedie Schlange in der Wüsten, am Creutz erhöhen, auf daß alle, diean ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben ha-