Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

Won den Werken Gottes.

23

er ein Koch zum Feuer, welches ist die Sonne, die alles kocht undgar macht.

Gott muß mir gewiß viel freundlicher seyn und mit mir reden,denn meine Käthe mit ihrem Martinichen. Nun kann meine Kä-the, oder ich meinem Kinde mit Willen ja kein Auge ausstechen,oder den Kopf abreisten, also auch Gott ja viel weniger. Denn erhat gegen seine Glaubigen viel ein gütiger und freundlicher Hertz,denn ein Vater und Mutter gegen ihrem Kinde haben, wie Gottselber sagt im Propheten Jesaia 49, 15., da er spricht: Kann auchein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme überden Sohn ihres Leibes? und ob sie desselbigen vergaste, so will ichdoch dein nicht vergessen ?c. Aber Gott muß Patienz und Geduldmit uns haben. Nun, er hats dahin gesetzt, ja seinen eingebornenSohn ins Fleisch gesandt und lassen Mensch werden, daß wir unsja des Besten zu ihm versehen sollen. Ich halte, Paulus sey ihmselber feind gewesen, daß er nicht hat können glauben und Christumlieben, wie er gerne gewollt hatte.

Alle Creaturen Gottes sind den Gottlosen zugleich offenbar undverborgen, gleich als wenn man^einem Esel Roßmarin zu essen gäbe,so meynete er, er esse Heu. Offenbar aber sind sie ihnen, denn siesehen sie vor Augen. Verborgen, denn sie sehen und erkennen denSchöpffer in den Creaturen nicht.

Ich kann das Argument selber nicht solviren, daß verzweifelteSchälcke so gute Tage haben, lange Zeit nach ihres Hertzens Wunschim Sause leben, und Gott ihnen Ehre, Gut, Gewalt, Gesundheitdes Leibes, schöne Kinder w. giebt. Dagegen aber fromme, gottseligeLeute, so hoch erleuchtet sind, in Trübsal, Gefahr, Angst und Nochihr Lebenlang lasset stecken, ja auch wol eines theils jammerlich ster-ben, wie Johannem den Taufer, so der größte Heilige auf Erdenwar, will unsers lieben Herrn Cristi, des eingebornen Sohns Got-tes, schweigen, der des schmählichsten Todes am Creutze zwischenZweyen Mördern starb.

Aber Gott thut, wie ein frommer Vater, der seinen Sohn zuGottes Erkenntniß, Furcht, rechtem Glauben und aller Ehrbarkeitgern erziehen wollte, daß er Trost und Freude an ihm erleben möchte,und den Schatz, so er sammlet, sammt allem, das er hat, auf ihnerbe, darum er ihn auch mehr und öfter züchtiget und stäupet, dennden Knecht. Daher auch das Sprüchwort kommet: Je lieber Kind,

ö-

M