Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
21
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Von den Werken Gottes. 2 t

ihr, der Teufel oder die Welt werde das für euch und um eurent-willen thun, was Gott für euch gethan hat? O nein, lange nicht.

Doctor Luther sagte auf eine andere Zeit davon: Gott gehetmit den Gottesfürchtigen und Christen schier um, gleich als mit denGottlosen und Unchristen, ja zuweilen wol arger. Er thut nicht an-ders, denn gleichwie ein Hausvater mit seinem Sohne und Knechtehandelt. Den Sohn stäupt und schlaget er viel mehr und öfter,denn den Knecht; doch sammlet er ihm einen Schatz zum Erbe. Abereinen bösen, ungehorsamen Knecht schlaget er mit der Ruthen nicht,sondern er flösset ihn hinaus vor die Thüre, und giebt ihm nichtsvom Erbtheil. Sonst kann ich diß Argument nicht solviren, warumGott seine lieben Kinder in der Welt durch die Rolle lasset laufen,pantzerfegen und plagen: den Gottlosen aber giebet er alles vollaufund genug, daß sie es nach aller Lust im Sause gebrauchen ohneWiderwärtigkeit.

Gott ist ein frommer Herr, welchen die Welt wol leiden könnte,wenn sie wollte. Er will allein für Gott gehalten seyn, nach demersten Gebot: Du sollt nicht andere Götter haben neben mir. Erbegehret von uns keine Steuer, Schätzung, Geld, noch Gut; er willalleine das haben, daß er unser Gott und Vater möchte seyn; dafürgiebt er uns allerley geistliche und leibliche Gaben reichlich und über-flüssig Aber wir sehen ihn nicht an und wollen ihn auch nicht ha-ben für unfern Gott.

Gegen den Abend kamen zwey Vögelein, die in Doctors Gar-ten ein Nest machten, geflogen, waren aber oft von denen, so vor-über gingen, gescheucht. Da sprach der Doctor: Ach! du liebes Vö-gelein, fliehe nicht, ich gönne dirs von Hertzen wohl, wenn du mirsnur gläuben könntest. Also vertrauen und glauben wir unsermHerrn Gott auch nicht, der uns doch alles Gutes gönnet und erzei-get; er will uns ja nicht todtschlagen, der seinen Sohn für uns ge-> geben hat.

Unser Herr Gott und der Teufel haben zweyerley Canze-leyen, die nicht übereinstimmen, sondern gar wider einander sind.Unsers Herrn Gottes Canzelev schrecket erstlich, darnach richtetsie auf und tröstet wieder, uud das darum, daß das Fleisch oderlir der alte Mensch getödtet werde, und der Geist oder neue Mensch lebe.

Also schrecken auch die guten Engel erstlich, darnach trösten sie wie-